Sterben und Tod sind für jeden schwierige Themen

„Besonders schwer erträglich ist der Gedanke an den Tod bei Kindern und Jugendlichen.“ Manuela Schwesig
„Besonders schwer erträglich ist der Gedanke an den Tod bei Kindern und Jugendlichen.“ Manuela Schwesig

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27. November 2012, 10:27 Uhr

Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat die Schirmherrschaft über unsere diesjährige Spendenaktion übernommen. Wir fragten sie nach den Gründen.

Frau Ministerin, Sie haben sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft über unsere diesjährige Weihnachtsspendenaktion zu übernehmen. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an "Mike Möwenherz?

Schwesig: Sterben und Tod sind für jeden Menschen schwierige Themen, die oft in unserer Gesellschaft ausgeblendet werden. Aber sie gehören zum Leben dazu. Besonders schwer erträglich ist dieser Gedanke bei Kindern und Jugendlichen. Mike Möwenherz ist ein Netzwerk aus kompetenten Fachleuten, die sich auf die Fahne geschrieben haben Kinder und Jugendliche, die sterbenskrank sind, und ihre Familien auf ihrem schweren Weg zu begleiten. Ich hatte die Gelegenheit, Dr. Classen und sein tolles Team kennenzulernen. Besonders berührt hat mich die Erzählung eines Elternpaares, deren Kind verstorben ist. Sie haben sich bei dem Team von Mike Möwenherz sehr gut umsorgt gefühlt und viel Unterstützung erfahren. Ich bin vom Konzept des Arbeitskreises überzeugt und habe deshalb gerne die Schirmherrschaft übernommen.

Seit 2007 haben Schwerstkranke und Sterbende einen Rechtsanspruch da rauf, dass ihnen zu Hause ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod ermöglicht wird. Laut Deutscher Hospiz Stiftung werden aber nur ein Viertel der infrage kommenden Menschen bis zum Ende zu Hause betreut. Warum ist es so schwer, den Rechtsanspruch durchzusetzen?

So würde ich es nicht formulieren. Der Bedarf ist einfach schlecht einschätzbar, weil jeder Fall ein individueller Fall ist. Viele Menschen entscheiden sich aufgrund ihrer familiären Verhältnisse doch für ein Krankenhaus oder Hospiz. Weil der Sohn es zeitlich nicht leisten kann oder die Tochter es nicht verkraftet. Stellen Sie sich vor, dass ein Zimmer ihrer Wohnung zur Intensivstation wird - das ist auch eine große Belastung. Viele Menschen wissen in der schwierigen Situation einer schweren Krankheitsphase auch nicht, welche Ansprüche sie oder ihre Angehörigen gegenüber Sozialleistungsträgern haben oder welche Angebote zur Palliativversorgung es in Mecklenburg-Vorpommern gibt. Deshalb hat mein Haus einen Runden Tisch zur Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern eingerichtet, der über die Verbesserung der Versorgungsangebote berät und die Möglichkeiten öffentlich macht.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung ist eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kassen kommen allerdings nur für pflegerische und ärztliche Leistungen auf, nicht aber für Psychologen, Seelsorger oder Sozialarbeiter. Muss das Gesetz nachgebessert werden?

Wir müssen den schon bestehenden rechtlichen Rahmen nutzen. Die Möglichkeit besteht schon. Jeder Patient benötigt eine andere Versorgung - verallgemeinern kann man das nicht. Deshalb bekommen die Teams eine Pauschale, die sie auch für psychosoziale Begleitung nutzen können. Der Teamleiter koordiniert die Leistungen. Im Hospiz- und Palliativbereich arbeiten sehr viele Menschen ehrenamtlich. Dieses Engagement kann ich gar nicht oft genug loben!

Wir wollen ein solches Team auch speziell für Kinder - da sind wir auf einem guten Weg, alle Beteiligten wollen es. Dennoch ist es natürlich so, dass das Geld knapp ist. Deshalb bin ich Ihrer Zeitung sehr dankbar, dass Sie in diesem Jahr mit ihrer Spendenaktion Mike Möwenherz unterstützen will.

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