Stefan Ruzowitzky erhält Auslands-Oscar für KZ-Drama

Regisseur Stefan  Ruzowitzky  holte den Auslands-Oscar mit der österreichisch-deutschen Koproduktion „Die Fälscher“.
Regisseur Stefan Ruzowitzky holte den Auslands-Oscar mit der österreichisch-deutschen Koproduktion „Die Fälscher“.

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26. Februar 2008, 08:10 Uhr

Einer breiten Öffentlichkeit wurde der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky durch die beiden „Anatomie“-Thriller bekannt. In „Die Fälscher“, der gestern mit dem Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde, erzählt Ruzowitzky die wahre Geschichte einer Fälscherwerkstatt der Nazis im KZ Sachsenhausen.

Herr Ruzowitzky, warum ist die Geschichte von den Fälschern nie sehr bekannt geworden?
Die Geschichte von den Fälschern ist heikel. Es gab eine Abteilung in einem Konzentrationslager, in der die Leute gut zu essen hatten, Pingpong spielen durften und während der Arbeit Musik hörten. Diese bizarren, außergewöhnlichen Umstände sind natürlich nicht dazu geeignet, das Wesen eines Konzentrationslagers zu illustrieren.

Bestand die Gefahr einer Verharmlosung?

Was die Darstellung des normalen KZ-Alltags betrifft, ist es ein großes Problem, das Grauen tatsächlich zu vermitteln. Für einen Zuschauer ist das nicht erfassbar. Es gibt den Film „Grey Zone“ über ein Sonderkommando, das Leichen von den Gaskammern in die Öfen transportiert. Da kommt man nicht mehr mit. Mich hat dieser Film seltsam unberührt gelassen, weil man sich da einfach nicht mehr hineindenken kann.

In unserem Fall bestand die Möglichkeit, gewissermaßen um die Ecke zu erzählen. Man kann die richtigen politischen Aussagen treffen, ohne versuchen zu müssen, das wahre Ausmaß des Leids eines KZ-Gefangenen darzustellen.

Was hat Sie an der Story gereizt?

Es war die Geschichte dieses Kleinkriminellen, dieses Ganoven, dieses Fälschers, der sich sein ganzes Leben lang irgendwie durchgeschummelt hat. Wie geht er damit um, wenn er in diese Extremsituation des Konzentrationslagers gerät? Die meisten Berichte, die man aus dieser Zeit kennt, stammen von intellektuellen, wohlbehüteten Menschen, z.B. „Der Pianist“ von Polanski. Mein Sorowitsch hat Knasterfahrung. Das ist ein ganz anderer Zugang.

Wie eng war Ihre Zusammenarbeit mit dem echten Fälscher Adolf Burger?

Er hat jede Fassung des Drehbuchs gelesen und war sehr aufgeschlossen. Es war ihm wichtig, dass diese seine Geschichte ein großes Publikum erreicht. Aber er hat bei gewissen Sachen auch gesagt, dass es so auf keinen Fall geht. Das habe ich immer gern angenommen, ich habe mich sicher gefühlt, ein solches Korrektiv zu haben. Die Filmgeschichte ist ja zum Teil Fiktion. Wenn man jemanden als moralische Autorität hat, der das alles erlebt hat, dessen Geschichte das ist, dann ist das der Idealfall.

Wie authentisch ist die Darstellung des Burger, der im Film von August Diehl verkörpert wird?
Die Figur Burger im Film ist ein bisschen überhöht. Ein solcher Prinzipienreiter war der richtige Burger nicht. Als die Nazis kamen und die Erschießung der Geiseln ankündigten, falls der Dollar nicht klappt, war für alle klar, dass man lieferte.

Auch für Burger. Burger ist auf seine Weise ein Überlebenskünstler. Er war in Auschwitz und bemerkte, dass er immer schwächer wurde und sterben würde, wenn es so weiter geht. Er bemerkte diese eine Einheit, der es besser ging. Und beim Morgenappell ging er einfach dahin. Man hat ihn dafür halbtot geprügelt, aber beim nächsten Mal ging er wieder hin. Am dritten oder vierten Tag fehlte einer und er war dabei. Er hat einen wahnsinnigen Überlebenswillen, den man ihm heute mit 90 noch anmerkt.

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