Start in die Heringssaison

Der Fischhändler Henry Rasmus zeigt in Stralsund eine Schale und ein Fass mit Original Bismarck-Heringen. Foto: dpa
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Der Fischhändler Henry Rasmus zeigt in Stralsund eine Schale und ein Fass mit Original Bismarck-Heringen. Foto: dpa

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29. Januar 2008, 05:31 Uhr

Sassnitz/Freest/Stahlbrode - Groß und fett liegen die Heringe am Dienstagmorgen in der Kisten der Stahlbroder Fischer. „Ein Fang, der hoffen lässt“, freut sich der Chef der Fischereigenossenschaft, Bernd Schütze. Denn nach mageren Erträgen bei ersten Versuchsfängen in der vergangenen Woche haben die Fischer erstmals mit 25 Kisten „Silberlingen“ einen ordentlichen Fang angelandet, ein untrügerisches Zeichen dafür, dass der Frühjahrshering die küstennahen Gewässer erreicht hat. „Wir hoffen, dass es jetzt so weitergeht und das Wetter nicht wieder umschlägt“, schickt Schütze einen mahnenden Blick in Richtung Himmel.

Auch die Kollegen der Fischereigenossenschaft Freest sind mit dem Fang zufrieden. Am Dienstag liefen in den idyllischen Fischereihafen am südlichen Greifswalder Bodden drei Kutter mit einer erstmals ansehnlichen Menge von insgesamt rund 1,7 Tonnen Frühjahrshering ein. „Wenn die Fänge jetzt stabil bleiben, werden immer mehr der insgesamt 32 Boote auf Hering umrüsten“, berichtet der Chef der Freester Fischereigenossenschaft, Michael Schütt. Noch sind die Fangmengen zu gering, um sie nach Dänemark an den Großhandel zu liefern. Abnehmer der Freester Silberlinge sind derzeit ambulante Händler, die ihre Ware auf den vorpommerschen Märkten und in Fischgeschäften reißend loswerden. „Die ersten sind die besten“, lacht Schütt. Groß und fett.

Auch für den Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuß, ist mit dem Eintreffen der ersten Heringsschwärme in die Boddengewässer „der Anfang gemacht“. Die Kutter- und Küstenfischer schauen auf ein eher schlechtes Heringsjahr 2007 zurück. Nach einem verheißungsvollen frühen Start Anfang Januar blieben die tatsächlichen Erträge der Küstenfischer mit rund 10 000 Tonnen dann aber hinter den Erwartungen zurück. „Wir haben die doppelte Zeit gefischt bei insgesamt weniger Erträgen“, berichtet Kahlfuß. Nach dem milden Ausnahmewinter hätten sich die Fischer ihre Fänge zwischen Januar und April „mühsam zusammengekratzt“.

Insgesamt gingen den Fischern in Mecklenburg-Vorpommern - mit den Erträgen der Sassnitzer Seefischer, die nicht zum Verband gehören - rund 13 500 Tonnen in die Netze, schätzt Kahlfuß. Damit lägen die Fänge rund 3000 Tonnen unter der möglichen Quote der Fischer in Mecklenburg-Vorpommern. Auch die Erlöse 2007 reichten an das Vorjahresergebnis nicht heran. Sie lagen bei rund 11 Millionen Euro und damit mehr als eine Million unter dem Vorjahresergebnis von 12,4 Millionen Euro.

Aus den Erfahrungen von 2007 heraus will der Chef des Landesverbandes keine Prognosen für das Heringsjahr 2008 abgeben. „Vieles hängt am Wetter. Bei Sturm können wir nicht auslaufen.“ Auch ein Frosteinbruch im Februar mit einem Eispanzer auf dem Bodden würde die Fischer in die Häfen zwingen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die Preisentwicklung. Die Preise versprächen eine „Idee“ höher zu werden als im Vorjahr.

Für dieses Jahr rechnet der Verband erneut mit einer Quotenkürzung, nicht nur beim Hering, sondern vor allem beim Dorsch. Insgesamt ist die Dorschquote in der westlichen Ostsee um 28 Prozent abgesenkt worden, wie Kahlfuß berichtet. Wie stark sich diese Quotenkürzungen für die Nordost-Fischer auswirken, bleibe abzuwarten. Kahlfuß rechnet mit einer Bekanntgabe der Quoten durch die Bundesanstalt für Fischerei im Februar.

Besondere Sorgen bereitet dem Verband derzeit die geplante Versenkung von Baggergut im Greifswalder Bodden. Im Zuge der Peenestrom-Ausbaggerung von 6,50 auf 7,50 Meter Tiefe will das Wasser- und Schifffahrtsamt von 2009 an einen Teil der anfallenden 1,9 Millionen Tonnen Baggergut in den Greifswalder Bodden kippen. „Wir sehen darin ein großes Problem, weil der Greifswalder Bodden für viele Fischarten eine Kinderstube darstellt“, sagt Kahlfuß. Der Verband bereitet gerade eine ablehnende Stellungnahme im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vor. „In diesem Punkt sind wir uns mit den Naturschützern einig.“

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