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18. November 2017 | 13:31 Uhr

Starenkästen stehen in Brandenburg oft leer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Reparatur der stationären Blitzer ist vielen Kommunen zu teuer / Auch in der Prignitz wird abgebaut

Als „Blitzlichtgewitter“ wird die B 158 zwischen Tiefensee und Bad Freienwalde spöttisch von Autofahrern bezeichnet, doch an der Straße knipst es mittlerweile nur noch selten. Von ursprünglich zwölf stationären Blitzern auf 16 Kilometern sind nur noch „wenige“ aktiv, wie Tobias Seyfarth, Sprecher des Landkreises Märkisch-Oderland, einräumt. Ursache sei Vandalismus.

Sprengungen und Farbattacken seien an der Tagesordnung, sagt er. Es habe aber auch Fälle gegeben, bei denen Starenkästen, wie die Geräte umgangssprachlich genannt werden, komplett umgesägt wurden. „Bei Müncheberg lag ein Gehäuse im Feld, nachdem die Kamera dort herausgebrochen wurde“, erzählt der Sprecher. Für die Reparatur der Anlagen fehle das Geld. „Es bleiben oft Attrappen.“

Insgesamt betreibt die Kreisbehörde in Märkisch-Oderland noch sieben stationäre Geräte. Das Landratsamt setzt eher auf zwei mobile Blitzerfahrzeuge. Die hohe Dichte an Radarfallen auf der B 158, vom Bundesamt für Straßenwesen finanziert, hat sich aus Sicht der Verwaltung dennoch gelohnt: Die Unfälle waren dort um 40 Prozent zurückgegangen.

In der Prignitz hat sich die Zahl der Anlagen in den letzten Jahren mehr als halbiert. Dem Landkreis zufolge gibt es derzeit sieben stationäre Messanlagen und sechs Kameras. Eine Anlage sei daher immer außer Betrieb, teilte Pressesprecherin Christel Spenn mit. Sieben Anlagen wurden zudem in den letzten Jahren abgebaut. Bei diesen Entscheidungen hätten unter anderem teils mehrfache Zerstörung und Diebstahl eine Rolle gespielt.

Andere Landkreise haben die stationäre Technik komplett aufgegeben – im Barnim nach technischen Mängeln schon Ende der 1990er. Abgebaut seien sämtliche Masten dennoch nicht, aber die Kameras fehlten, sagt Kreissprecher Oliver Köhler. In der Uckermark wurden drei fest installierte Blitzer vor rund zehn Jahren aufgegeben, wie Kreissprecherin Ramona Fischer berichtet. „Man kann mit mobilen Geräten schneller auf Unfallschwerpunkte reagieren.“ In Oberhavel waren stationäre Messanlagen noch nie verbaut, wie es im Landratsamt in Oranienburg heißt.

Auch im Kreis Oder-Spree wurden die festen Radarfallen nach und nach abgebaut: Von ursprünglich vier ist eine geblieben, so Kreissprecher Mario Behnke. Auch dort wurde nach Vandalismusschäden nicht nachgerüstet. Durch mutwillige Zerstörung lässt man sich dagegen in Dahme-Spreewald nicht vom Konzept abbringen. „Wir wurden gebeutelt, aber die Blitzer bleiben stehen“, sagt eine Mitarbeiterin des Straßenverkehrsamtes in Lübben. Die neun Anlagen seien längst auf digitale Technik umgerüstet worden. Sensoren messen die Geschwindigkeit, die Signale würden von Computern verarbeitet. „Aber nicht alle Kästen sind mit Kameras bestückt“, sagt sie.

Auch in Cottbus und Frankfurt (Oder) setzt man weiter auf Starenkästen. Ein Blitzer auf dem Cottbuser Stadtring erwischt allein jährlich rund 15 000 Temposünder. Die Bußgelder dienten dazu, Raser zu bremsen, betont der Cottbuser Rathaussprecher Peter Lewandrowski. Auch der Frankfurter Ordnungsamtsleiter Wolfgang Wessely betont, man habe mit den stationären Blitzern gute Erfahrungen gemacht.

Einen modernen und teuren Blitzer vom Typ „Poliscan Speed“ hat sich Potsdam angeschafft. „Zweck dieser Investition ist die Verkehrserziehung“, sagt Stadtsprecher Markus Klier. Insgesamt sechs stationäre Blitzer existieren neben vier mobilen Geräten in der Landeshauptstadt. 1,1 Millionen Euro wurden 2013 dadurch eingenommen.

Eine Aufrüstung mit Blitzern ist in den meisten Kommunen nicht möglich. Die Kassen seien leer, sagt die Vize-Geschäftsführerin des Städte- und Gemeindebundes, Monika Gordes. „Es geht ohnehin nicht um zusätzliche Einnahmen, wie alle denken, sondern um die Sicherheit auf den Straßen.“

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