Stalkern geht es an den Kragen

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06. Februar 2008, 05:14 Uhr

Schwerin/Rostock - Wochenlang soll er seine 29 Jahre alte Ex- Freundin mit Anrufen und Drohungen terrorisiert haben. Schließlich verfolgte er sie und ihren neuen Freund im Auto. Nach einer dramatischen Verfolgungsjagd durch Stralsund nahm die Polizei den 32-Jährigen aus Grimmen im November schließlich fest. Ein nach Polizeiangaben schwerer Fall von so genanntem Stalking, aber nicht ganz ungewöhnlich in Mecklenburg-Vorpommern.

Darauf deuten jüngste Zahlen des Schweriner Justizministeriums hin. Seit Inkrafttreten des Gesetzes gegen „Nachstellung“ am 31. März vorigen Jahres sind bei den Staatsanwaltschaften des Landes rund 400 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Damit liegt Mecklenburg-Vorpommern gemessen an seiner Einwohnerzahl mit an der Spitze in Deutschland.

Opfer sind bereit, Anzeige zu erstatten
Aus den Zahlen lässt sich jedoch nicht schlussfolgern, dass das Nachstellen im Nordosten ein größeres Problem ist als anderswo. Die Landesfrauenbeauftragte, Margret Seemann (SPD), vermutet, dass das Medieninteresse die Bevölkerung sensibilisiert hat. Die Opfer seien eher bereit, Anzeige zu erstatten, und würden dabei auf eine Polizei treffen, die für dieses Thema besser geschult sei. Inzwischen sind auch schon eine Reihe von Urteilen gesprochen worden. Im Bereich der Staatsanwaltschaft Schwerin wurde Ende 2007 ein Mann zu einem Jahr ohne Bewährung verurteilt, ein anderer zu einem Jahr und sieben Monaten mit Bewährung.

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg berichtet von „zwei bis drei“ Anklagen, die derzeit anhängig sind. Im Bereich der Staatsanwaltschaft Stralsund wurden etwa 20 Verfahren wegen Stalkings rechtskräftig abgeschlossen, zumeist mit einem Strafbefehl. In Rostock sind mehrere Anklagen anhängig, es gab aber noch keine rechtskräftige Verurteilung. Der Strafrahmen reicht von Geldstrafe bis zu drei Jahren Gefängnis, in ganz schweren Fällen, in denen der Täter den Tod eines Menschen verursacht hat, sind zehn Jahre Haft möglich.

Erstes Sonderdezernat seit 2005 in Schwerin
Beigetragen zu dieser vergleichsweise energischen Strafverfolgung hat Monika Kunisch. Die Staatsanwältin baute bereits 2005 in Schwerin das erste Sonderdezernat zu dieser Art von Delikten in Mecklenburg-Vorpommern auf. Inzwischen gibt es bei allen Staatsanwaltschaften solche Sonderdezernate.
Für Aufsehen sorgte Ende Dezember eine Bluttat in Lübeck, bei der ein Mann seine Ex-Frau auf offener Straße mit einem Beil erschlug. Der Täter soll die Frau zuvor monatelang misshandelt und terrorisiert haben. Hanna Falk vom Frauennotruf Lübeck warnt darum vor einem leichtfertigen Umgang mit Stalkern. Jeder Fall sei anders, aber Opferberater müssten immer eine Gefahrenanalyse mit im Blick haben. Als Zeugenbegleiterin ist sie auch schon vor Gericht im nahe gelegenen Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) aufgetreten.

Grundsätzlich begrüßt die Diplom-Sozialpädagogin das neue Gesetz als „ein ganz wichtiges Signal an Opfer, Täter und Institutionen“. Früher habe es oft geheißen: „Hier mal ein Blumenstrauß, da mal Briefe, wo ist das Problem?“ Jetzt müsse die Polizei bei einer Anzeige ermitteln.

Sie will aber nicht jeder Frau gleich zur Anzeige raten. Die Folge eines Ermittlungsverfahrens sei nämlich: „Täter und Opfer bindet man für lange Zeit aneinander.“

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