Staatsanwaltschaft verteidigt sich

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21. Juli 2008, 06:07 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat am Montag ihre Entscheidung, die Ermittlungen gegen das Jugendamt im Fall der verhungerten Lea-Sophie einzustellen, verteidigt. „Die Kritik des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hat insofern erstaunt, als dass eine Meinung abgegeben wurde, ohne die Akten zu kennen“, sagte Oberstaatsanwalt Ralph-Siegfried Ketelboeter. Die Staatsanwaltschaft habe die Vorwürfe gegen das Amt im Zusammenhang mit dem Tod des fünfjährigen Mädchens nur auf strafrechtliche Relevanz zu prüfen gehabt. Die von der Stadtvertretung festgestellten Verfehlungen des Amtes seien möglicherweise disziplinar- oder arbeitsrechtlich zu ahnden. Die Erkenntnisse des Untersuchungsausschusses und der Staatsanwaltschaft müssten sich nicht ausschließen.

BDK-Sprecher Frank Böhme hatte der Staatsanwaltschaft am Sonntag vorgeworfen, den beteiligten Mitarbeitern des Jugendamtes einen „Persilschein“ ausgestellt zu haben. „Hier wurde offensichtlich die Chance verpasst, durch umfangreiche kriminalpolizeiliche Ermittlungen auf Hintergründe zu stoßen“, sagte Böhme. „Es scheint uns aber wirklichkeitsfern, das Jugendamt von jeglicher Verantwortung für den Tod von Lea-Sophie freizusprechen.“

Die Anklagebehörde habe Vorwürfe im „Fahrlässigkeitsbereich“ geprüft, sagte Ketelboeter und betonte: „Zu keinem Zeitpunkt war für das Jugendamt zu erkennen gewesen, dass Lea-Sophie vernachlässigt worden sein könnte.“ Als sich der Großvater ein Jahr vor dem Tod des Kindes an das Jugendamt gewandt habe, sei Lea-Sophie in einem guten Pflege- und Ernährungszustand gewesen. Der Großvater habe lediglich angegeben, er habe nicht ausreichend Kontakt zu dem Enkelkind. Ein anonymer Hinweis wenige Wochen vor dem Tod habe sich auf den neugeborenen Bruder von Lea-Sophie bezogen und sei nachweislich falsch gewesen. Das Baby sei von den Eltern gut versorgt worden.

Lea-Sophie war im November 2007 qualvoll verhungert. Die Eltern wurden vergangene Woche wegen Mordes durch Unterlassen zu Freiheitsstrafen von jeweils elf Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Gericht hatte eine Mitschuld des Jugendamtes verneint. Einen Tag später stellte die Staatsanwaltschaft alle Ermittlungen ein.

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