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24. November 2017 | 19:43 Uhr

Spitzenpolitiker stehen unter besonderem Druck

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svz.de von
erstellt am 29.Jul.2013 | 07:29 Uhr

Die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Krankheit und Politik, die Mächtigen und ihre Gesundheit - Politiker stehen oft unter Druck, sind Krankheitsrisiken besonders ausgesetzt. Vielen Politikern fällt es schwer, mit dem persönlichen Schicksal und dem Thema Krankheit umzugehen. Nicht selten wird geschwiegen und geschwindelt und heruntergespielt. Schließlich geht es um Stärke und Macht, wer in der ersten Reihe schwächelt, muss womöglich damit rechnen, dass die Karriere leidet.

Wegen eines drohenden Putsches gegen ihn auf dem Bremer Parteitag 1989 schob der damalige Bundeskanzler und CDU-Chef Helmut Kohl eine dringend notwendige Prostata-Operation auf, kämpfte mit großen Beschwerden und ärztlicher Begleitung um sein Amt als Parteivorsitzender. In seinen "Erinnerungen" beschreibt er die "wahnsinnigen Schmerzen". Es sei ihm vorgekommen, "als könnte ich jeden Moment ohnmächtig werden". Wäre er nicht auf dem Parteitag erschienen, hätten dies seine parteiinternen Gegner wie CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als Kneifen und Schwäche ausgelegt.

Politiker leben nicht unbedingt besonders gesund. Vor allem Minister und Kanzler sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt litt bereits in seiner Zeit als Regierungschef unter Herzproblemen: 1980 erkrankte er an einer Herzmuskelmuskelentzündung, im Oktober 1981 wurde ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt. Der Bonner Stress hatte sich bei Schmidt schon 1972 negativ ausgewirkt. Die Ärzte stellten damals eine Überfunktion der Schilddrüse fest. In den vergangenen Jahren war immer wieder über seinen Gesundheitszustand spekuliert worden. "Gerüchte über meinen Tod sind übertrieben", unkt Schmidt, mittlerweile 94 Jahre und im Rollstuhl.

Die "fiebrigen Erkältungen", von denen oft die Rede war, wenn Bundeskanzler Willy Brandt seine Amtsgeschäfte nicht oder nur vom Bett aus wahrnehmen konnte, waren nicht selten die Folgen einer Depression, wie der SPD-Politiker nach seinem Rücktritt 1974 in seinen Erinnerungen bekannte: "In Wirklichkeit war ich kaputt."

Spitzenpolitiker stehen unter besonderem Druck und enormen Belastungen. Zeit für Entspannung oder gar, um etwas für die Fitness zu tun, bleibt da kaum noch. Schrecksekunde für die SPD im Bundestagswahlkampf 2005, als ihr Parteichef Franz Müntefering bei einer Kundgebung am Rednerpult einen Schwächeanfall erlitt und zusammenbrach. Müntefering, damals 65, erholte sich schnell wieder.

Zehn Wochen Pause musste der inzwischen verstorbene frühere Verteidigungsminister und heutige SPD-Fraktionschef Peter Struck 2004 nach einem Schlaganfall einlegen. Ende der 80er-Jahre hatte der SPD-Politiker bereits zwei Herzinfarkte erlitten. 2009 ging Struck in den Ruhestand. Drei Jahre später erlag er einem weiteren schweren Herzinfarkt.

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