Spezialistin für vernarbte Biografien

<fettakgl>Elisabeth Herrmann</fettakgl><foto>Felix Brüggemann</foto>
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Elisabeth HerrmannFelix Brüggemann

svz.de von
15. Juni 2012, 10:17 Uhr

Berlin | Die Journalistin Elisabeth Herrmann, 1959 in Marburg/Lahn geboren, ist eine Auflagenkönigin. Schon ihr Krimi-Debüt "Das Kindermädchen" von 2005 war ein Erfolg. Die Geschichte um die Nazi-Verstrickungen einer großbürgerlichen Familie wurde von Carlo Rola verfilmt und lief Anfang dieses Jahres im ZDF: "Mich hat schon immer fasziniert, wie Lebensumstände Biografien prägen", sagt die Autorin. Der Glauben daran, dass man sein Leben selbst in der Hand habe - das sei eine Illusion. Für "Zeugin der Toten" hat sich Herrmann von den Narben inspirieren lassen, die das totalitäre Regime der DDR in den Seelen der Menschen hinterlassen hat. Für die Figur des DDR-Kindes Judith, dessen zerstörte Biografie sozusagen ein Kollateralschaden einer Geheimdienst-Operation des Kalten Krieges ist, gebe es aber kein konkretes reales Vorbild. Dennoch basierten Geschehen und Figuren in "Zeugin der Toten" auf intensiven Recherchen. Herrmann: "Ich habe mich intensiv mit dem Schicksal von Republikflüchtlingen beschäftigt. Was diesen Familien angetan wurde, wenn die Flucht verraten wurde oder missglückt ist, gehört zu den schändlichsten Kapiteln der DDR." Dass im Roman Sassnitz eine große Rolle spielt, rühre daher, dass sie dort nach der Wende das erste Mal den "Scherben der DDR" begegnet sei. Und das Faible für Figuren wie die Tatortreinigerin Judith oder deren Kolonnen-Chef Dombrowski? Sie habe eben "Respekt vor Leuten, die richtig körperlich arbeiten".

Ein Respekt aus Erfahrung: Herrmann hat einst ihre Lehre abgebrochen und Knochenjobs als Maurerin und Betonbauerin gemacht. Erst dann holte sie ihr Abi nach, studierte, wurde Journalistin - und fand zum Schreiben.

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