Soziologe Hurrelmann: Obama spricht jungen Leuten aus der Seele

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05. November 2008, 11:56 Uhr

Bielefeld - Der Bielefelder Sozialwissenschaftler Prof. Klaus Hurrelmann sieht den Erfolg des künftigen amerikanischen Präsidenten Barack Obama (47) auch darin begründet, gerade zu jungen Menschen durchzudringen. „Solche Politiker sind selten“, sagte der Bielefelder Jugendforscher am Mittwoch der dpa. Junge Menschen seien oft stark mit sich selbst beschäftigt. Obama habe seinen ganzen Wahlkampf darauf abgestellt, zu zeigen, dass er ein „freier Geist“ und nicht im politischen Apparat versunken sei. „Damit spricht er jungen Leuten aus der Seele“, betonte Hurrelmann. Kaum ein Thema für junge Leute sei dagegen die Hautfarbe Obamas gewesen.

Jüngere reagierten nicht so stark auf die Hautfarbe eines Menschen, erklärte Hurrelmann. Klischeehafte Vorstellungen und Ängste seien in der jungen Generation weniger ausgeprägt. „Ich würde vermuten, dass der Effekt sehr klein geworden ist.“ Wenn jedoch das Bildungsniveau niedrig sei, „dann schlägt das stärker durch“.

„Jugendliche brauchen bildhafte Sprache, etwas zum Festhalten“, sagte Hurrelmann. Die Kombination, die Obama auszeichne - menschliche Frische, rhetorisches Geschick und Ausstrahlung sowie seine Ferne vom oft misstrauisch beäugten politischen Apparat - sei entscheidend. „Alle, die im System drin sind, gelten als Funktionäre.“ In den vergangenen Jahren seien junge Amerikaner auf Distanz zum politischen System gegangen.

Auch wegen der „eher jugendlichen Wirkung“ des Demokraten sei die Neigung junger Wähler zu Obama deutlicher. „Nicht wegen seines biologischen Alters, das spielt für junge Leute keine Rolle“, sagte der Wissenschaftler. Doch der jungenhafte Obama wirke lebendiger und „von der Verantwortung noch nicht erdrückt“. Die Sichtweisen junger Leute strahlten nach kurzer Zeit oft in ältere Bevölkerungsschichten aus.

All dies gelte uneingeschränkt auch für Deutschland. Doch sei hier die Bindung an Parteien enger, erklärte er. „Man setzt nicht nur auf eine Person, sondern man wählt taktisch.“ Das amerikanische Wahlsystem bringe Persönlichkeiten dagegen stärker in den Vordergrund. „Wenn Frau Ypsilanti nicht diese Panne passiert wäre, hätte sie durchaus das Zeug, von jungen Leuten als positiv wahrgenommen zu werden.“

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