Sozialer Kitt in der Szene

Rechte demonstrieren in Lübz, Polizei hat nach Verbot Personalien festgestellt Archiv
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Die Bedeutung von Frauen in der rechten Szene wird nach Ansicht des Extremismusexperten Karl-Georg Ohse bisher unterschätzt. „Rechtsextreme Frauen sind der soziale Kitt in der Szene“, sagte der Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg gestern in einem Gespräch.

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08. März 2008, 05:59 Uhr

Waren - Zudem beobachte man, dass Frauen mit rechtem Gedankengut stärker in soziale Berufe drängten und sich in Kita- und Schulelternvertretungen engagierten, ohne da gleich mit ihrer politischen Meinung aufzufallen. Die Europäische Akademie und das Frauenbildungszentrum hielten in Waren ein Forum zu dem Thema mit rund 50 Teilnehmern ab - Anlass: Eine „Aktionswoche“ zum 8. März.
„Frauen sind nicht nur für die Außenwirkung von Parteien wie der NPD wichtig, sie sind auch wichtigstes Bindeglied zwischen Partei und Gesellschaft“, erläuterte Ohse. Die am häufigsten anzutreffende Altersgruppe seien 14- bis 20-Jährige. Sie seien oft intelligenter als die Männer in ihrem Umfeld und gäben sich meist eher brav und bürgerlich gekleidet - „keine girlheads“. Sie suchten für sich einen Platz in der Gesellschaft, eine Aufgabe - und meinten, dies bei den Rechtsextremen zu finden.
In Mecklenburg-Vorpommern, wo die NPD seit Herbst 2006 im Landtag sitzt, gebe es aber regional große Unterschiede. „In Westmecklenburg sind es die Frauen von NPD-Funktionsträgern, die gezielt aus dem Westen im Kreis Ludwigslust angesiedelt wurden und sich zum Teil aus der Vergangenheit bei rechten Jugendverbänden kennen“, erklärte der 45-Jährige. In Vorpommern, wo die NPD auch viele Stimmen bei der Landtagswahl holte, sei die rechte Szene noch stärker männer-dominiert. „Hier, wie auch in anderen Regionen, kommen Frauen durch Freundschaften oder Heirat in diese Szene, sind aber noch eher “Anhängsel„.“ Schwierig werde es aber für die Frauen, wenn Kinder kommen. Für solche Frauen sei ein Ausstieg aus dieser Szene sehr schwer.
Möglichkeiten, sich als Frau mit rechtem Gedankengut einzubringen, sähen einige „Neonazistinnen“ darin, sich in Elternräten zu engagieren, das Ausmalen von Schulräumen oder Klassenfahrten und Flohmärkte zu organisieren. „Da wird dann meist die Mutterrolle vorgeschoben, man gibt sich zunächst politisch desinteressiert“, sagte Ohse. Um die „Intelligenzbasis der mecklenburgischen Aktionsfront zu verbreitern“, schrieben sich Frauen auch an Hochschulen, wie in Neubrandenburg im Fachbereich Soziale Arbeit, ein. Das sei der Hochschule bekannt, man könne es auch nicht verbieten. „Wichtig ist dann, dass man sich damit auch pädagogisch auseinandersetzt“, forderte er. Vereinigungen von Studenten mit rechtem Hintergrund gebe es aber auch in Rostock und Greifswald.

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