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23. September 2017 | 00:16 Uhr

Sorge wächst: Atomendlager nahe der Prignitz?

vom

svz.de von
erstellt am 09.Nov.2011 | 09:43 Uhr

Boizenburg/Prignitz | Der Streit um Deutschlands Atommüll erreicht die Prignitz: Bei der morgen in Berlin beginnenden Suche nach Alternativen zu einem möglichen Endlager in Gorleben wird auch mindestens ein Standort im äußersten Westen von Mecklenburg-Vorpommern einbezogen - der Salzstock in der Region Gülze-Sumte nahe Boizenburg, 83 Kilometer von Perleberg entfernt. Er gehört zu jenen vier Formationen in Norddeutschland, die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) als "untersuchungswürdigen Salzstöcke" bei der Suche nach einem deutschen Endlager ermittelt wurden. Von morgen an will Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) mit den Ländern Möglichkeiten für eine neue Endlagersuche ausloten. Ziel der Gespräche sei es, einen Prozess zu vereinbaren, wie man auf Basis verfügbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse, höchster Sicherheitsanforderungen und in einem transparenten Verfahren zum besten Standort kommt, sagte er gestern. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte gefordert, eine bundesweite Suche nach einem Endlager zu starten: "Es muss der Standort sein, der der beste ist, egal wo er liegt."

Der Neustart bei der Endlagersuche stößt in der betroffenen Region Boizenburg bereits vor dem Bund-Länder-Gipfel auf Widerstand. "Wir wollen den Atommüll nicht vor unserer Haustür haben", lehnte Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke (parteilos) eine Einlagerung in dem Salzstock im Biosphärenreservat ab. Ein atomares Endlager im Biosphärenreservat Mecklenburgisches Elbtal stehe der Entwicklung der Region als ökologischer Tourismusstandort entgegen, warnte Energieexperte Arndt Müller.

In Brandenburg hält man sich bedeckt. Über konkrete Orte könne noch nicht gesprochen werden. Umweltministerium Anita Tack (Linke) setze sich in den Gesprächen dafür ein, ein ergebnisoffenes und bundesweites Endlager-Suchverfahren auf den Weg zu bringen, heißt es diplomatisch vom Ministerium. Das habe der Landtag im Mai 2010 beschlossen. Die Frage nach einem Ort des Endlagers stelle sich zurzeit nicht.

Der Prignitzer Landrat Hans Lange (CDU) war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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