Solarium nutzlos bei Winterdepression - Lichttherapie kann helfen

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06. Januar 2009, 01:36 Uhr

Leipzig - In den Wintermonaten fühlt man sich oft schlapp und antriebslos. Grund für die saisonal bedingte Schwermut ist häufig schlichtweg der Mangel an Licht. Wegen der Dunkelheit produziert der Körper das Glückshormon Serotonin nur in sehr geringen Mengen. Ein Besuch im Solarium hilft bei diesem Problem nicht weiter. „Die Sonnenbank ist kein Ersatz für das natürliche Sonnenlicht“, betont die Leipziger Psychologin Katharina Kitze von der „Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)“.

Um die Serotonin-Produktion im Körper anzukurbeln, müsse das Licht über die Netzhaut aufgenommen werden, erklärt Kitze. Im Sonnenstudio seien die Augen aber meistens verdeckt, weil die künstliche Strahlung das Sehorgan schädigen könne. Die künstlichen Lichtstrahlen auf der Haut böten keinen geeigneten Ersatz, um die Stimmung anzuheben.

In eine normale Glühbirne oder Lampe zu blinzeln, ist nach Angaben der Psychologin auch keine Alternative. „Sie sind nicht hell genug, um einen Effekt zu erzielen“, sagt Kitze. Lediglich spezielle Lampen, die in der psychiatrischen Lichttherapie verwendet werden, können die Wirkungen des Sonnenlichts imitieren.

Eine solche Lichttherapie setzen Ärzte zum Beispiel bei Menschen mit Depressionen ein. „Am besten ist die Wirkung morgens gleich nach dem Aufstehen“, erläutert Kitze. Die Patienten säßen in der Regel etwa eine halbe oder eine Stunde lang vor einer speziellen, gleißenden Lichtquelle. „Sie können dabei auch lesen oder etwas anderes tun, müssen aber regelmäßig ins Licht schauen“, sagt die Psychologin.

Ähnliche Speziallampen mit einer Beleuchtungsstärke zwischen 1000 und etwa 7000 Lux werden auch im Handel angeboten. Laut „Stiftung Warentest“ können manche dieser Geräte die Stimmung im Winter tatsächlich verbessern, für die Behandlung von Depressionen seien sie jedoch meistens nicht geeignet („test“ 11/2003). Insbesondere bei zu ausgedehnter Bestrahlung könnten auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Hauttrockenheit auftreten, betont Kitze. Menschen mit Augenerkrankungen wie Schädigungen der Netzhaut sollten zudem vorher einen Arzt zu möglichen Risiken befragen.

Lichthungrige können es aber auch einfach mit Bewegung an der frischen Luft versuchen. Ein mindestens 30-minütiger Spaziergang pro Tag könne das Wohlbefinden deutlich aufhellen, selbst wenn das Wetter gerade nicht mitspiele, rät die Psychologin: „Auch ein wolkenverhangener Himmel ist hell genug, um die Serotonin-Produktion anzuregen“.

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