So wird die Autoscheibe repariert

Nichts mehr zu reparieren - bei solch heftigen Beschädigungen muss die Frontscheibe komplett getauscht werden. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)
Nichts mehr zu reparieren - bei solch heftigen Beschädigungen muss die Frontscheibe komplett getauscht werden. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

Auf einmal hat es "Klack" gemacht: Wenn aufgewirbelte Steine Autofenster beschädigen, ist eine Fahrt zur nächsten Werkstatt angebracht. Aber nicht immer ist ein kompletter Ersatz der Scheibe notwendig - oft kann die beschädigte Stelle auch mit Kunstharz repariert werden.

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22. April 2009, 07:50 Uhr

Limburg (dpa/tmn) - Das Geräusch von berstendem Glas ist in der Erinnerung meist durch Kinofilme geprägt: Wenn dort etwas zu Bruch geht, dann mit reichlich Getöse. In der Realität hört sich die Sache meist ganz anders an, vor allem wenn es um Glasschäden am Auto geht.

Nicht selten übertönen die Fahrgeräusche den Vorfall - und wenn nicht, ist in der Regel nur ein scharfes «Klack» zu hören, wenn ein aufgewirbeltes Steinchen auf die Frontscheibe prallt. Für den Autofahrer bedeutet ein Glasschaden aber, dass er sich möglichst schnell um Reparatur oder Austausch der Scheibe kümmern sollte.

Beschädigte Stellen werden mit Kunstharz repariert

Gute Sicht ist im Straßenverkehr wichtig, darauf weisen Sicherheitsorganisationen immer wieder hin. Denn nur wer erkennen kann, was um ihn herum passiert, ist sicher unterwegs. Schon ein kleiner Riss oder ein Stück abgeplatztes Glas können aber die Sicht behindern. Und gerade eine Frontscheibe hat noch mehr Aufgaben: So ist die Scheibe auch ein tragendes Teil, das laut dem Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart für bis zu 30 Prozent der Karosseriesteifigkeit sorgt. Außerdem hat das Glas bei einem Unfall zum Beispiel die Aufgabe, den Airbag abzustützen.

Wenn es zur Beschädigung gekommen ist, die nicht gleich die Scheibe zerstört, muss meist auch nicht die ganze Scheibe ausgetauscht werden - Reparaturen der beschädigten Stelle sind seit Jahren eine übliche Methode. Repariert wird mit einem Kunstharz, das in die beschädigten Stellen eingefüllt wird und dort aushärtet. Das Material soll den gleichen «Brechungsindex» wie das eigentlich Glas haben, die Ausbesserung ist daher nahezu unsichtbar.

Schutz vor Verschmutzung

Für eine Reparatur müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. Und dabei geht es auch um die Momente direkt nach dem Ereignis: «Die beschädigte Stelle im Glas muss so schnell wie möglich abgedeckt werden», sagt Thomas Klein, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Autoglaser (BVA) im hessischen Limburg. Zum Einsatz kommt dabei entweder durchsichtiges Klebeband oder eine spezielle Schutzfolie. «Diese Folien gibt es zum Beispiel bei einem Autoglaser - ein Stück handelsübliches Tesa-Band reicht aber in der Regel aus.»

Ohnehin gilt es in solchen Situationen nicht, langwierige Überlegungen in Sachen Materialwahl anzustellen. Wichtig ist allein, Verschmutzungen der beschädigten Stelle zu vermeiden - denn davon ist abhängig, ob eine Reparatur überhaupt möglich ist. Steht der Wagen in der Garage, passiert natürlich nicht viel. Anders sieht es aus, wenn die Scheibe während einer Autobahnfahrt beschädigt wird. Dann sollte nicht mehr lange ungeschützt weitergefahren werden. «Nach einer längerer Autobahn-Etappe kann eine Reparatur wegen der Verschmutzung schwierig werden», sagt Thomas Klein.

Versicherung trägt Schäden in den häufigsten Fällen

Meist gilt übrigens, dass die Reparatur eines Steinschlag-Schadens von der Versicherung übernommen wird - ohne dass der Versicherte die vereinbarte Selbstbeteiligung übernehmen muss. Hintergrund ist, dass eine Reparatur wesentlich billiger ist als der Austausch der kompletten Scheibe. «Von so einer Regelung haben beide Seiten Vorteile», sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin.

Wie es bei der eigenen Versicherung aussieht, lässt sich dem Vertrag entnehmen - oder durch einen Anruf klären. «Teils wird dabei mit Partnerwerkstätten zusammengearbeitet», so Rüter de Escobar. Es sollte also auch überprüft werden, ob die Versicherung den Besuch bei einem bestimmten Betrieb fordert.

Abplatzungen gelten nicht als Steinschlag

Doch auch die Reparatur hat Grenzen - bei manchem Schaden hilft tatsächlich nur der Austausch. «Steinschlagschäden in der Windschutzscheibe können in der Regel repariert werden, wenn die Beschädigung kleiner als eine Zwei-Euro-Münze ist», sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Außerdem muss der Schaden zehn Zentimeter vom Rand des Scheibenrahmens entfernt sein und darf nicht im Sichtfeld des Fahrers liegen. Im Hinblick auf dessen Größe gibt es allerdings unterschiedliche Definitionen. Beim ACE geht man von folgender Definition aus: Das Sichtfeld umfasst einen etwa 30 Zentimeter breiten Bereich über dem Lenkradmittelpunkt. Der BVA beschreibt das Sichtfeld dagegen als «29 cm breit, gemessen aus der Sitzmitte, oben und unten begrenzt durch das Scheibenwischerfeld».

Nicht alles, was vom Autofahrer als Steinschlag eingestuft wird, gilt auch als solcher. Laut Thomas Klein vom Bundesverband Autoglaser (BVA) in Limburg gibt es Abplatzungen - das sind oberflächliche Schäden, für die besagte Reparaturregeln nicht gelten. Wird so eine Stelle ausgebessert, findet das verwendete Harz kaum Halt. Ein Steinschlag nach Definition der Fachleute hat nur stattgefunden, wenn das Glas eingerissen ist. Hier findet das Harz in den Rissen Halt.

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