So schön blüht es im Winter

In den Loki-Schmidt-Gewächshäusern: Während draußen  Schnee fällt, blüht drinnen hinter Isolierglas eine Orchidee - Ronald Wenzel (41) sorgt für beste Wachstums-Bedingungen.georg scharnweber
In den Loki-Schmidt-Gewächshäusern: Während draußen Schnee fällt, blüht drinnen hinter Isolierglas eine Orchidee - Ronald Wenzel (41) sorgt für beste Wachstums-Bedingungen.georg scharnweber

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12. Januar 2010, 08:35 Uhr

Rostock | Minusgrade im Freien und Plusgrade im Gewächshaus des Botanischen Gartens. Hinter dem dicken Isolierglas des Neubaus regiert der Winter. Im Innern der Forschungseinrichtung der Universität Rostock gibt es das Kontrastprogramm dazu: Hier herrschen hochsommerliche Temperaturen um 28 Grad Celsius. Und während es draußen weiß von Schnee ist, strahlen hier sattes Grün und andere Farben um die Wette. 1000 verschiedene Arten finden sich in der Einrichtung in Hamburger Straße, die nach Loki Schmidt benannt wurde. "Momentan stehen zwei Bananenstauden in der Fruchtreife", sagt Bernd Springer, der technische Leiter. Das sind geschätzte 40 Kilo und 200 Früchte. Die sollen - wenn sie gelb sind - den Besuchern zum Kosten serviert werden. Bis März ist der Botanische Garten geschlossen. Trotzdem führen bereits ab Februar Fachleute jeden Sonntag interessierte Besucher eine Stunde durch diese Tropenlandschaft. Momentan stehen im Tropenhaus Leitern und Gerüste. "Wissenschaftler und Studenten messen derzeit das Wachstum von Blüten und Blättern", so Springer.

Weil es in dieser Oase keine Fledermäuse gibt, die in der Natur die Bestäubung der Blüten vornehmen, obliegt diese Prozedur den Gärtnern. "Manchmal ist das nicht so einfach, weil sich bei bestimmten Arten nichts in Lehrbüchern findet, darüber wie das in Gewächshäusern erfolgt", sagt Springer. Dann müssen die Mitarbeiter experimentieren. Optisch faszinierend ist eine Grasorchidee, die laut Springer so fantastisch strukturiert ist, dass die Blüte nur mit Vergrößerungsglas erkennbar ist. Sie wächst in einem trockenen Bereich und wirkt beim Anblick wie ganz normales Gras. "Dieses Wunder der Natur genieße ich jedes Mal, wenn ich von der Schneelandschaft in dieses Gebäude komme", sagt Springer.

Rostocks Botanischer Garten gehört zu einem weltweiten Verbund, der sich Pflanzensamen kostenlos zu Forschungszwecken austauscht. Weiterhin dabei sind internationale Einrichtungen in Melbourne, Tokio und Südafrika.

Sobald Frost und Schnee abgetaut sind, gibt es Baupläne. "Wir wollen ein altes Gewächshaus abreißen", sagt Springer. Danach entsteht am gleichen Standort ein neues für Kalthauspflanzen, darunter Exemplare aus Neuseeland und dem mediterranen Bereich.

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