So hat der Landkreis Güstrow gewählt

von
22. April 2008, 12:10 Uhr

Güstrow - Ein Tag nach der Landrats-Stichwahl gibt es Fragen. Ist nach der Wahl vor der Wahl? Wird der neue alte Landrat zum Gedichteschreiber? Bleibt es bei der oft kritisierten Streitkultur im Kreistag? Und wie war gestern die Stimmung im Kreishaus?

Der alte neue Landrat Lutz da Cunha will nicht zum Gedichteschreiber mutieren. Er arbeitete gestern an seinem 52. Geburtstag in seinem Büro wie Freitag vor der Wahl. Aber nicht ganz, weil er doch nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Denn nur rund 13 Prozent der Wahlberechtigten haben Lutz da Cunha gewählt (Wahlbeteiligung 23 Prozent). Ein Armutszeugnis für Demokratie und Politik – und für da Cunha. Der sieht sich nach der Stichwahl trotzdem gestärkt, will aber konkreter werden, Beispiel Unterschriftenaktion für eine Kreisstadt Güstrow. Das spreche die Bürger an, sagt da Cunha.

Und was passiert im Kreistag, wo sich die gleichen Strategen gegenüberstehen wie bisher? Wird sich dort weiter gezofft, weil die Probleme die gleichen sind: Haushaltskonsolidierung, Kreisgebietsreform, Wirtschaftsförderung, freiwillige Leistungen?

Die nächsten Termine stehen an: Finanz- und Kreisausschuss und Kreistagssitzung, wo es wieder um die Haushaltskonsolidierung geht. Da Cunha will deshalb reagieren: „Ich werde auf alle Fraktionen zugehen, mich mit ihnen zusammensetzen, damit über die Dinge, die getan werden müssen, künftig sachlicher diskutiert wird.“
Auch SPD-Fraktionschef Hans-Georg Schörner will, dass die Probleme gemeinsam angepackt werden: „Ich möchte keine politischen Erklärungen mehr ohne Vorschläge und Lösungswege hören.“

Für Andreas Brunotte, CDU-Fraktionschef, ändert sich im Kreistag nichts: „Wir haben nichts gegen Personen und suchen in der Sache die Zusammenarbeit.“ Er misst da Cunha z.B. daran, wie ein Kreis mit 100 Millionen Euro Schulden trotzdem nicht zerschlagen wird und Güstrow Kreisstadt bleibt.

Fragen, wie künftig die politischen Auseinandersetzungen vor allem zwischen SPD und CDU geführt werden, wirft der Wahlkampf auf. Da positioniert sich Matthias Wolschon als Stadtvertretervorsteher in Bützow offen für den CDU-Kandidaten Wimmer. Für ihn kein Problem. Stadtvertretervorsteher sei zwar eine Facette seiner Person, ansonsten sei die aber unteilbar.

Und was für eine Stimmung herrschte gestern im Kreishaus? Spekuliert, wie es weitergeht, hätte man nur, wenn Wimmer Landrat geworden wäre. Bei da Cunha wisse man, woran man sei, und seine Wiederwahl war nach dem ersten Wahlgang erwartet worden, hieß es unter Mitarbeitern. Im Gegensatz zu dem Gepolter im Kreistag würden außerdem die Tische voller Arbeit liegen. Die müsse erledigt werden, egal wie der Landrat heißt und auch einen Tag nach der Stichwahl.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen