zur Navigation springen

Interview Deutsches Meeresmuseum : „So ein Fundstück will man natürlich ausstellen“

vom

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 19:48 Uhr

Das Ozeaneum in Stralsund wird in  Zukunft ein Skelett eines Pottwals zeigen können. Aber zunächst müssen  die Tiere geborgen und  bearbeitet werden. Mit Dr. Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am  Meeresmuseum, sprach Max-Stefan Koslik.

Herr Dähne, was passiert jetzt mit den Tieren?
Die Wale werden von einem Team des Nationalparks Wattenmeer geborgen. Dann wird ein Entlastungsschnitt gesetzt und sie werden mit maschineller Hilfe von der 20 bis 30 Zentimeter Fettschicht befreit. Die Organe werden entnommen und beprobt und auf krankhafte Veränderungen untersucht.

Werden sie so feststellen, was  mit den Walen geschehen ist?
Man hofft natürlich, dass man so auch Indizien findet, was passiert sein könnte. Dazu ist es notwendig, alle Tiere zu begutachten. Es kann ja auch sein, dass es krankhafte Veränderungen schon aus der Vergangenheit gibt.

Was könnte sonst passiert sein?
Es gibt bis zu 30 Theorien, was überhaupt zu  Strandungen führt. Das beginnt bei Störungen im Erdmagnetfeld, über Verschiebungen der Nahrungsquellen, also wo sind die Tintenfische zu   bestimmten Zeiten, über  Einflüsse des Klimawandels bis hin zu  den Strömungsbedingungen auf der Route der Wale von den Jagdgebieten im Norden nach Süden.  Strandungen in der Nordsee sind keineswegs  einzigartig. Das passiert von Zeit zu Zeit und wurde  schon aus dem Mittelalter berichtet.

Kann das mit der so genannten Melone, also  dem Orientierungsorgan der Wale zusammenhängen?
Auch eine Störung des Sonarsystems ist  gut  möglich. Die große Melone, die ein Drittel des Körpers der Wale ausmacht, ist auf die Ortung von  sehr, sehr schwache Ziele in großer Tiefe ausgerichtet, also auf die Tintenfische.  Aber in flachen Gewässern funktioniert das Organ so nicht. Es ist zu laut. Es ist für die Tiere äußerst schwierig,   in flachen Gebieten mit einem großen Hintergrundecho   Ziele zu orten und sich zu orientieren.

Wann werden die Skelette in Stralsund zu sehen sein?
Wir lassen die Tiere ruhen. Danach werden die Knochen vom Fleisch befreit und anschließen  entfettet. Die Knochen sind vom Fett gesättigt, dadurch würden  sie aber schnell weich und würden sich auflösen. So  ein Fundstück will man natürlich ausstellen. Aber einen Zeitraum kann ich nicht nennen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen