Skihalle schlittert in die Besucher-Krise

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10. März 2008, 08:37 Uhr

Wittenburg - Die Gerüchte kursierten schon seit Monaten: Im 75 Millionen Euro teuren Snow-Fun-Park Wittenburg machen sich vor allem wochentags die Besucher rar. Jetzt gesteht das Schneeparadies Auslastungsprobleme ein und zieht die Notbremse: Vorläufig bis zum Beginn der Wintersaison wird der Skipark ab Mitte April montags und dienstags geschlossen, teilte Geschäftsführer und Investor Hans-Gerd Hanel gestern mit. 180 Jobs hatten die Investoren für die Zahlung von 14,5 Millionen Euro Beihilfen zugesagt. Nun sollen 50 der 264 Mitarbeiter entlassen werden. Vor allem in den Sommermonaten sei die Anlage z. B. montags mit nur 200 Besuchern nicht kostendeckend zu betreiben, erklärte Hanel. Dabei hatte die Ski-Halle noch vor Jahren geglaubt, gerade in heißen Sommern mit der kühlen Schneehalle locken zu können. Die Pläne habe man begraben müssen, sagte Hanel gestern.

Für die umstrittene Freizeitanlage, deren Bau sich mehrmals wegen Finanzierungsproblemen verschoben hatte, war ursprünglich ein neues, kostensparendes Kühlverfahren für den ganzjährigen Skispaß entwickelt worden. Jetzt aber reagieren die Betreiber mit ihrer Entscheidung auf enorme Kostenbelastungen vor allem im Energiebereich. So solle an den Schließtagen die Leistung der Schneeanlage um 30 Prozent reduziert werden, um Kosten zu sparen. In den Schließungsplänen sieht Hanel „keine Gefährdung des Parkes“. Auch gebe es „keine finanzielle Notsituation“. Vielmehr müsse man auf die Auslastungen Rücksicht nehmen, so der Betreiber. Dazu gehöre auch, dass das Tagungsgeschäft fast ausschließlich von Mittwoch bis Sonnabend laufe. „An der Ostsee gehört es auch zur Normalität, dass nach der Saison weniger Leute beschäftigt werden“, sagte Marketingchef Stefan Ulbrich.

Für Insider sind die Auslastungsprobleme seit Jahren absehbar. So machen sich die mehr als 100 Kilometer entfernt liegenden Skihalle Wittenburg und Bispingen gegenseitig die Besucher streitig. Vor allem aus Hamburg bleiben die Gäste weg. Wittenburg sei zwar die abwechslungsreichere und spannendere Halle, meinte Henning Rohlf vom Verband Hamburger Skivereine. Bispingen habe aber die bessere Werbung und das interessantere Après-Ski-Angebot. Er habe stets Zweifel gehabt, dass sich eine, geschweige denn zwei Ski-Anlagen halten würden. Es gebe nur wenige Mitglieder, die wirklich regelmäßig in die Schneehallen fahren würden. Rohlf: „Ski gehört in die Berge.“ Wittenburg hatte einst mit jährlich 730 000 Besuchern kalkuliert, Bispingen mit 360 000. Gezählt wurden 2007 nach Angaben der Betreiber in Mecklenburg 638 400 Gäste, in Niedersachsen 480 000.

In den vergangen Wochen hatte sich der Wittenburger Park über steigende Besucherzahlen gefreut, 65 000 kamen im Januar, im Februar waren es 54 000 Besucher. Noch wichtiger: die Besucher lassen inzwischen auch deutlich mehr Geld im Park lassen, aktuell zwischen 21 und 23 Euro pro Person.

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