Sie donnern weiter durch die Straße

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04. November 2010, 07:43 Uhr

Perleberg | Seit März stehen die Schilder in der Pritzwalker Straße, weisen eindeutig daraufhin, dass Fahrzeuge über 3,5 Tonnen hier maximal mit 30 km/h fahren dürfen. Eigentlich hatten sich die Anlieger etwas Entspannung von dieser Regelung erhofft. Seit Jahren leben sie mit dem Gefühl, die Laster fahren direkt durch ihre gute Stube. "Man kann zusehen, wie die Risse an den Häusern immer größer und immer mehr werden", so Manfred Herrmann. "Wir wohnen nun mal direkt an der Straße, wenn man aus der Haustür stolpert, landet man mit dem Kopf auf der Fahrbahn", ergänzt Jürgen Waßmuth.

Busse, Lkw oder Traktor quälen sich durch die Pritzwalker

Es sind vor allem die Lkw, die das Nervenkostüm der Anlieger mächtig strapazieren. Daran habe auch die neue Beschilderung nichts geändert, betont Manfred Herrmann. Die Müllfahrzeuge aus Wittenberge nehmen auf ihrer Tour zur Deponie Ketzin den Weg quer durch die Stadt und das in voller Fahrt. Sechs Ampeln schrecken da nicht ab. Sogar am Wochenende gibt es keine Ruhe, "da fahren die Kühltransporter", fügt Jürgen Waßmuth an. Und die halten sich ebenso wenig an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Jetzt zur Erntezeit rollen auch noch etliche Traktoren mit Hänger über die alte B 189 und dann über die Wilsnacker und Pritzwalker auf die B5 Richtung Dallmin.

Über die B 189n dürfen sie nicht, da die Hänger nur für 40 km/h zugelassen sind, weiß Manfred Herrmann. "Es gibt so viele Ausnahmeregelungen, warum nicht auch für derartige Gefährte."

Die Pritzwalker Straße ist und bleibt die Hauptdurchfahrtsstraße von Perleberg. "Die Hopfenstraße und die Berliner sind für Lkw gesperrt, obwohl viel breiter und die Häuser stehen nicht so dicht an der Fahrbahn", so Manfred Herrmann. Ob Busse, Lkw oder Traktor, alles quält sich durch die Pritzwalker und hält sich zumeist nicht an die 30 km/h. Schilder sind geduldig, denn kontrolliert wurde hier bis dato nicht, auch wenn es die Polizei angekündigt hatte, meinen die Anlieger.

Jene widerspricht, denn am 24. April wurde vormittags eine Stunde mit dem Lasergerät die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung kontrolliert. Zwei Lkw waren zu schnell. "Die Feststellungen lagen im Ordnungswidrigkeitsbereich (bis zu 10 km/h zu schnell)", so Katy Gollnick von der Pressestelle der Polizei. Eine weitere Kontrolle fand am 16. Juli von 11 bis 12 Uhr statt, da mittags die Pritzwalker Straße vom Schwerverkehr stark frequentiert würde. Hier waren vier Fahrzeugführer zu schnell.

Lasern in diesem Bereich in der Hauptverkehrszeit gehe nicht. Aufgrund der hohen Verkehrsdichte im Berufsverkehr ist ein gefahrloses Anhalten und Kontrollieren nicht möglich, führt die Polizei ins Gefecht.

Im Klartext, der Landkreis als untere Verkehrsbehörde ist gefragt und jene habe die Stadt auch über die Einführung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung informiert. "Geschwindigkeitsüberwachungen erfolgen dort, wo eine Unfallhäufigkeit gegeben ist oder konkrete Anfragen an den Landkreis gerichtet werden", argumentiert Ulrich Runde, zuständiger Sachbereichsleiter für die Verkehrsüberwachung. Ein Unfallschwerpunkt sei die Straße nicht und eine Anfrage habe es bis dato noch nicht gegeben.

Eine Ausnahmeregelung, dass Traktoren mit Hänger während der Erntesaison die Kraftfahrstraße benutzen dürfen, werde sicher nicht erteilt. "Wir haben sie gebaut, damit der Verkehr zügig fließt", betont Jürgen Nüsse, Sachbereichsleiter Straßenverkehr. "Im Einzelfall ist eine Ausnahmegenehmigung sicher möglich, aber sie darf nicht zur Normalität werden." Wer in einer ländlichen Region wohnt, der müsse auch landwirtschaftlichen Verkehr zulassen, zumal dieser verstärkt nur saisonbedingt unterwegs sei, so Nüsse.

Hinsichtlich der Leitung des Schwerlastverkehrs über die Hopfenstraße hebt die Stadt die Hände. Die Baulast dieser kommunalen Straße ist dafür nicht ausgelegt. Sie zu ertüchtigen bedeute, dass die Anlieger die Ausbaukosten zahlen und anschließend den Verkehr ertragen müssen. Die Pritz walker Straße als Bundesstraße hingegen wurde vom Bund entsprechend auch ausgebaut.

Unter dem Strich heißt das, der Verkehr wird unvermindert durch die Pritz walker rollen. Allerdings will die Polizei kurzzeitige, stichpunktartige Kontrollen durchführen. Und es bleibt auch noch der Stadt der Weg, den Landkreis um Verkehrsüberwachung in diesem Bereich anzusprechen.

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