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Sicherheitsbehörden ziehen Netz über die Grenze dichter

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erstellt am 26.Feb.2013 | 10:30 Uhr

Frankfurt | Bei der Bekämpfung von Grenzkriminalität wollen Polizisten und Staatsanwälte enger kooperieren. Am gestrigen Montag begann in Frankfurt (Oder) ein von der Europäischen Union geförderter Kurs für Polizeibeamte, der nicht nur die Sprache des Nachbarn, sondern auch Polizeitaktik und juristisches Wissen vermittelt.

Seit Wegfall der Grenzkontrollen Ende 2007 stieg die Kriminalität in der brandenburgischen Grenzregion enorm an. Sie sei aber im vergangenen Jahr leicht rückläufig gewesen, sagte Olaf Fischer, Leiter der Polizeidirektion Ost, gestern zu Beginn des Kurses mit je zehn deutschen und polnischen Teilnehmern.

"Uns gelingt es jeden Tag besser, gemeinsam mit der Bundespolizei, in dieser Region Täter aus ganz Europa festzunehmen", sagte Fischer.

Im ersten Projektjahr 2012 nahmen 29 Deutsche und 32 Polen an dem Sprachurs teil. Die ausführliche Kriminalitätsbilanz legt das Brandenburger Innenministerium im März vor.

Auch die Staatsanwaltschaften wollen ihr Netz über die Oder enger spannen und zunächst Kleinkriminellen in deutsch-polnischer Zusammenarbeit den Prozess machen. "Was mir vorschwebt, ist eine Außenstelle einer polnischen Partner-Staatsanwaltschaft in meinem Hause", sagte Carlo Weber, Leitender Staatsanwalt in Frankfurt (Oder), in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Verfahren sollten "mit binationalem Ansatz" gesichtet und die Fälle aufgeteilt werden. Aktuell seien bei einem Täter aus der polnischen Stadt Slubice und einem deutschen Tatort wie Frankfurt an der Oder beispielsweise beide Staatsanwaltschaften zuständig.

Für die Zusammenarbeit seien Sprachkenntnisse nötig, betonte Weber. Auf polnischer Seite gebe es diese, aber die Deutschen hinkten hinterher. "Wir brauchen mehr Doppelsprachler", forderte er deshalb. "Wir versuchen unsere Zusammenarbeit auf allen Feldern zu intensivieren und so selbstverständlich zu machen, als gäbe es keine Grenze und als gäbe es keine Sprachgrenze."

Bei der Einstellung von Richtern in Brandenburg wird zwar auf Fremdsprachenkenntnisse geachtet, doch gilt dies nicht gezielt für Polnisch. Richter arbeiten in der täglichen Praxis nicht mit polnischen Ermittlungsbehörden zusammen, wie das Brandenburger Justizministerium mitteilte. Zudem müssten bei Gerichtsverfahren ohnehin vereidigte Dolmetscher hinzugezogen werden. Dennoch würden auch Polnischkurse für Richter angeboten.

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