Segen und Fluch von URL-Verkürzern

Keine Chance für Bandwürmer: Kurz-URL-Dienste wie bit.ly dampfen lange Webadressen ein. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)
Keine Chance für Bandwürmer: Kurz-URL-Dienste wie bit.ly dampfen lange Webadressen ein. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

Liebling, ich habe die URL geschrumpft: War die Web-Adresse vorher ellenlang, besteht sie jetzt nur noch aus wenigen Buchstaben und Zahlen. Möglich machen es Dienste wie Tiny, Tr.im oder Bit.ly. Die URL-Verkürzer sind gratis, bergen aber auch Gefahren.

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28. September 2009, 08:53 Uhr

Bonn (dpa/tmn) - Wozu URLs überhaupt schrumpfen? Angenommen, Musikfan A hat beim Surfen in einem groen Onlineshop entdeckt, dass die Veröffentlichung eines Best-of-Albums von Madonna bevorsteht. Will er das Musikfan B per Link mitteilen, hat er ein Problem, schließlich lautet der Link: www.amazon.de/Celebration-Madonna/dp/B002JM1VGO/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1252340123&sr=8-1.

Was tun? Den Link bei bit.ly eingeben, die Enter-Taste drücken, und schon ist er - einem speziell programmierten Schrumpf-Verfahren sei dank - um einiges handlicher und lautet bit.ly/puKCo. Bei Tr.im schnurrt er sogar noch mehr zusammen: tr.im/y61Z. Das Tiny-Pendant lautet tiny.cc/jhfAe. Wer noch ein bisschen herumprobieren will, kann das bei cli.gs, is.gd, kl.am oder su.pr tun.

Verkürzer-Dienste profitieren vom Twitter-Hype

Egal, welcher Dienst zum Einsatz kommt: Das Ergebnis passt nicht nur locker in eine E-Mail-Zeile, es sprengt auch keine Twitter-Nachricht mehr, die ja maximal 140 Zeilen lang sein darf. «Twitter war sicher der Durchbruch für das Ganze», sagt Candid Wüest vom Unternehmen Symantec in Aschheim bei München, einem Anbieter für IT-Sicherheitslösungen.

Soweit, so praktisch - allerdings hat die Sache einen Haken: «Der eigentliche Link wird maskiert, und ich erkenne nicht, wohin der gekürzte führt», wie Urs Mansmann von der Zeitschrift «ct» erläutert. Das wird dann zum Problem, wenn dahinter nicht etwa ein Musikfan steht, der auf das neue Album von Madonna hinweisen will, sondern zum Beispiel ein Spammer.

Gefahr bei manipulierten Links

Im harmlosesten Fall will er unbedarfte Surfer nur auf eine Seite lotsen, auf der er für gefälschte Markenuhren und Potenzpillen zu scheinbar unschlagbaren Preisen wirbt. «Trotzdem lande ich dann irgendwo, wo ich nicht hinwollte», sagt Candid Wüest. Wer mehr Pech hat, den führt der geschrumpfte Link auf eine infizierte Webseite, über die er sich Schadprogramme einhandelt, die unbemerkt ihr Werk verrichten.

«Es ist natürlich auch möglich, dass das in einem Phishing-Kontext benutzt wird», warnt Nora Basting vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn: Der Nutzer landet auf einer von Kriminellen manipulierten Bank-Webseite, gibt dort Zugangsdaten zu seinem Online-Banking-Konto ein - und ist ruckzuck um einen Batzen Geld ärmer. «Im Grunde genommen sollte man solchen Links deshalb gar nicht folgen», gibt Basting die Position des BSI wieder.

Schutz vor Risiken durch Software-Erweiterungen

Wer mit dem Risiko leben möchte, sollte zumindest Vorsorge treffen - mit Browser-Plugins, die die Links aufschlüsseln und eine Vorschau auf das ermöglichen, was sich dahinter verbirgt. «Die Erweiterungen setzen zwar aktive Inhalte wie Java-Script voraus, was wiederum ein Sicherheitsrisiko ist.» Aber verzichten sollten Surfer deswegen nicht darauf, so Basting - und empfiehlt etwa securebrowsing.finjan.com für den Internet Explorer und den Firefox sowie www.longurlplease.com (nur Firefox). Einige Kurz-URL-Dienste erlauben die Vorschau auch selbst.

Noch etwas sollten Nutzer von Tiny, Tr.im und Co. im Hinterkopf haben: «Man muss darauf achten, wie lange die Kurz-Links aktiv bleiben», rät Urs Mansmann. Tr.im etwa garantiert nur registrierten Nutzern, ihre Kurz-URLS «niemals» zu löschen. Bei Links, die Nutzer ohne Mitgliedskonto erstellt haben, behalten sich die Betreiber vor, sie irgendwann erneut zu verwenden.

Und was passiert, wenn ein Dienst von heute auf morgen dichtmacht oder dichtmachen muss - als Ergebnis eines Insolvenzverfahrens zum Beispiel? Candid Wüest rät Nutzern, auf Nummer sicher zu gehen: «Ich würde die Links immer nur für kurze Zeiträume verwenden.» Das heißt: Die unhandliche URL der eigenen Webseite wird besser nicht auf diesem Weg gekürzt. Im Fall des Bandwurms mit der Madonna-Nachricht ist das dagegen völlig in Ordnung. Denn ist das Album erstmal erschienen, ist der Link sowieso von gestern.

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