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21. August 2017 | 19:51 Uhr

Sucht : Schwieriger Kampf gegen Drogen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach jahrelangem Rückgang der Rauschgiftdelikte hat die Polizei zuletzt mehr Fälle registriert. Dies hänge mit der Zerschlagung mehrerer Dealerstrukturen zusammen. Nach Angaben von Suchtberatern ist vor allem der Konsum von Cannabis auf dem Vormarsch.

Nach jahrelangem Rückgang der Rauschgiftdelikte hat die Polizei zuletzt mehr Fälle registriert. Die hänge mit der Zerschlagung mehrerer Dealerstrukturen zusammen, heißt es in der Behörde. Nach Angaben von Suchtberatern ist trotzdem vor allem der Konsum von Cannabis weiter auf dem Vormarsch.

Eine Tendenz betrachtet Dagmar Stütze besonders mit Sorge: Drogen sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Wir sind oft schockiert, wie exzessiv Rauschmittel selbst von Erwachsenen konsumiert werden“, sagt Dagmar Schütze, Landesvorsitzende des Blauen Kreuzes, einer auf Suchthilfe spezialisierten Organisation. Vor allem Cannabis habe sich nach Alkohol als „Droge Nummer 2“ etabliert. Ebenso seien Amphetamine auf dem Vormarsch. „Die meisten geraten schnell in einen gefährlichen Strudel.“

So stellen die Suchtberater des Blauen Kreuzes in Brandenburg und Berlin fest, dass Aufputschdrogen mittlerweile unter vielen Gymnasiasten oder Studenten beliebt sind, um dem Leistungsdruck Stand zu halten. „Die wollen fit bleiben, um gute Qualifikationen zu schaffen“, sagt Schütze. Als besorgniserregend bezeichnet sie auch den zunehmenden Konsum von Crystal Meth vor allem in Südbrandenburg – eine Droge mit hohem Suchtpotenzial, die das Nervensystem zerstört.

Michael Leydecker vom Verein Tannenhof warnt ebenfalls vor den gesundheitlichen Folgen von Crystal Meth. Der Schlafrhythmus sei komplett gestört, körperlicher Verfall werde schnell sichtbar, zudem treten Psychosen auf, sagt der Leiter einer Suchtberatung in Königs Wusterhausen. Immer gebe es tragische Fälle junger Familien betroffen, in denen beide Eltern Crystal Meth konsumieren. Auch Heroinabhängige kommen in die Beratungsstelle. „Manche konsumieren alles gleichzeitig, sie verlieren völlig die Kontrolle.“

Rund 700 Beratungen registriert der Verein allein im Kreis Dahme-Spreewald. Vor allem Cannabis ist auch nach den Erfahrungen von Leydecker als Rauschgift in der Mark weit verbreitet. „Das gibt es in jeder Stadt, es ist für Jugendliche leicht zu beschaffen“, warnt er. Dabei habe sich der THC-Gehalt über die Jahre vervielfacht. „Wer raucht, greift irgendwann zum Joint. Wir müssen bei der Prävention also frühzeitig ansetzen.“

Vier Menschen sind 2013 in Brandenburg am Rauschgiftkonsum gestorben, zwei mehr als noch ein Jahr zuvor. Zwei der Drogenopfer starben nach Angaben des Innenministeriums durch Heroin, in den weiteren Todesfällen lag Kokainmissbrauch sowie übermäßiger Ecstasy-Konsum vor. Zum Vergleich: In Berlin waren bis Ende November bereits 115 Drogentote gezählt worden.

Nach einem langjährigen Rückgang der Rauschgiftkriminalität schnellten im ersten Halbjahr 2013 in Brandenburg die Zahlen wieder nach oben. 2700 Straftaten wurden registriert – ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Dies hänge mit Ermittlungserfolgen zusammen, erklärt Rudi Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums. So wurden Händlerstrukturen unter anderem in Potsdam, Oranienburg, Falkensee und Luckenwalde zerschlagen. Zudem entdeckten die Beamten mehrere Cannabisplantagen. „Das bleibt ein lukratives Geschäft“, sagt Sonntag. Oft fliegt der illegale Hanfanbau nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf. „Man kann es oft förmlich riechen.“

Cannabis macht nach Erfahrungen der Polizei den Großteil der Drogendelikte aus. Dagegen hat die Landesstelle für Suchtfragen in einer Umfrage unter Zehntklässlern herausgefunden, dass der tägliche Konsum von Haschisch bei den Jugendlichen leicht gesunken ist. Suchtberater fordern indes, bei der Prävention nicht nachzulassen. „Nur so können wir eine explosive Entwicklung künftig verhindern“, sagt Leydecker.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 08:21 Uhr

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