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Unternehmensgründung : Schwierige Suche nach Geldgebern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Hoffnung hat Marcel Gläser noch nicht aufgegeben. Der 27-Jährige aus Altlandsberg hat eine App zur Verwaltung der Bienenstöcke entwickelt, die handschriftliche Aufzeichnungen über die Honigsammler ersetzen soll.

Die Hoffnung hat Marcel Gläser noch nicht aufgegeben – die Hoffnung, vom Verkauf seiner Imker-Software irgendwann leben zu können. Der 27-Jährige aus Altlandsberg (Märkisch-Oderland) hat eine App zur Verwaltung der Bienenstöcke entwickelt, die handschriftliche Aufzeichnungen über die Honigsammler ersetzen soll. „iBeekeeper“ nennt sich das Produkt, das in eine Marktlücke stößt und bereits 1200 Käufer fand.

Doch um richtig durchzustarten, fehlt dem Jung-Unternehmer nach wie vor Geld. Ohne Anschubfinanzierung kann er keine Mitarbeiter einstellen. „Ich habe mir die Füße wund gelaufen, aber eine finanzielle Unterstützung vom Staat gibt es für mich nicht“, sagt der gelernte Mediengestalter, der sich seit Jahren mit Programmierung beschäftigt.

In den vergangenen Monaten hat er Seminare auf Gründermessen besucht und lässt sich zur Betriebsführung schulen. Mit kleinen Projekten für andere Firmen hält er sich über Wasser. Doch dadurch fehlt ihm die Zeit, um das Programm weiterzuentwickeln. Zudem gibt es erste Konkurrenz. Um an Kapital zu gelangen, setzt er jetzt auf „Crowdfunding“: Eine Vielzahl von Internetnutzern fungiert hierbei als Geldgeber, wenn sie von dem Produkt überzeugt sind. „Es ist ein langes Rennen“, sagt Gläser. Im Branchenverband Software-Initiative Berlin-Brandenburg (SIBB) hofft man, dass künftig mehr Programmierer den Weg in die Selbstständigkeit wagen. „Man darf sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen“, sagt die Netzwerkmanagerin Astrid Vieth und hebt Marcel Gläser hervor. „Brandenburg braucht mehr Gründer wie ihn.“ Allerdings sind Regionen fernab der Hauptstadt für Start-ups wenig interessant. „Die Leute brauchen gerade in der Gründungsphase viel Unterstützung und ein Netzwerk von anderen Firmen“, sagt Vieth.

Neben der SIBB, die kostenlose Schulungen veranstaltet, bietet auch das Land Brandenburg vielfach Unterstützung. „Wir haben eher ein Luxusproblem, was Beratung für Gründer angeht“, sagt Matthias Haensch, Projektleiter des Businessplan-Wettbewerbs (BPW) in der Hauptstadtregion. „Es werden in Brandenburg zwar weiße Flecken bleiben, aber gerade in Hochschulstandorten tut sich viel.“ Wenn ein Gründer den BPW erfolgreich durchlaufe, habe er beste Chancen. „Man muss die Kapitalgeber nur überzeugen können.“

Allerdings ist von einem Gründerboom im Bereich IT und Kommunikation in Brandenburg derzeit wenig zu spüren. Nach Angaben des Landesstatistikamtes wurden in den ersten drei Quartalen des abgelaufenen Jahres 373 Firmen in der Branche neu angemeldet, im Vergleichszeitraum 2012 waren es noch 430. Statistiken zu Start-ups führt das brandenburgische Wirtschaftsministerium nicht.

„Berlin bleibt ein Magnet, dort sind auch die meisten Investoren zu finden“, sagt Florian Nöll, Vorstandschef des Bundesverbandes Deutscher Start-ups. Allerdings hätten sich auch in Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus einige junge Firmen mit vielversprechenden Konzepten angesiedelt. Nur die Hälfte der Gründer schafft es, auch nach fünf Jahren noch am Markt zu sein.

Ein Unternehmen, bei dem es seit fünf Jahren steil nach oben geht, hat in Frankfurt (Oder) seinen Sitz: „as good as new“ („so gut wie neu“) verkauft wiederaufbereitete Handys und Computer im Internet. 100 Mitarbeiter zählt die Firma, 20 000 Geräte werden monatlich verkauft. „Gebrauchte Technik findet immer mehr Abnehmer“, sagt Marketingleiter Sven Töpfer. Er hat wie Firmenchef Christian Wolf an der Frankfurter Viadrina studiert. Zuletzt konnte „as good as new“ zahlreiche Jobs schaffen – so kamen ehemalige Mitarbeiter von First Solar und Conergy dort unter. „Wir haben in Frankfurt beste Bedingungen vorgefunden, die Fördermöglichkeiten sind optimal“, lobt Töpfer.

Solche Geschichten hört Olav Wilms gerne. Der Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft der Landes-Investitionsbank ILB verweist darauf, dass seit 2010 bereits 38 junge Technologie-Unternehmen mit insgesamt 27 Millionen Euro von der ILB finanziert wurden. „In Brandenburg gibt es Erfolge, sie werden nur nicht so wahrgenommen. Berlin verkauft sich gut.“ Wilms glaubt jedoch, dass Brandenburg aufholen wird.

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erstellt am 07.Jan.2014 | 08:49 Uhr

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