Schulnoten für Pflegeheime

Schluss mit der Geheimniskrämerei: Noch in diesem Jahr bekommen Pflegeheime vom Kontrolldienst der Krankenkassen Zensuren wie in der Schule. Diese Noten werden für Pflegebedürftige und deren Angehörigen im Internet veröffentlicht.

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03. März 2009, 10:33 Uhr

Schwerin/Berlin | Auf der Suche nach einem guten Pflegeheim waren die meisten Menschen bisher auf den Rat von Freunden, Bekannten, Angehörigen oder des Hausarztes angewiesen. Dies soll sich jetzt ändern: Für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit bekommen die 10 400Pflegeheime in Deutschland künftig eine Zensur von "sehr gut" bis "mangelhaft" und vier Teilnoten. Dafür will der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Heime nach 82 Kriterien, etwa Hygiene, Umgang mit Demenzkranken und medizinische Versorgung, genau unter die Lupe nehmen. Zur Bewertung kommt außerdem eine Note, die sich aus der Befragung der Heimbewohner ergibt.

"Ich gehe davon aus, dass wir ab Mai 2009 Qualitätsprüfungen nach dem neuen Prüfkatalog durchführen können", sagte gestern Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Prüfdienstes. Im Spätsommer sollen die ersten positiven wie auch negativen Ergebnisse der Qualitätsprüfungen auf Internetseiten veröffentlicht werden. Geplant ist außerdem eine bundesweite Datenbank, die in regelmäßigen Abständen die aktuellen Prüfergebnise veröffentlicht.

Damit seien die Voraussetzungen geschaffen, dass Pflegebedürftige und deren Angehörige verständliche, informative und unabhängige Hilfestellungen bei der Auswahl einer Pflegeeinrichtung erhalten, so der MDK. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten sich der Spitzenverband der Krankenkassen und die Heimträger nach monatelangen Verhandlungen auf diese Neuregelung geeinigt, die jetzt umgesetzt wird. Mehr Transparenz und Vergleichbarkeit ist eine Auflage der neuen Pflegereform.

In Mecklenburg-Vorpommern werden in diesem Jahr 57 000 Menschen auf Pflege angewiesen sein, teilte das Sozialministerium mit. Etwa zwei Drittel von ihnen wird von Angehörigen versorgt, viele bekommen Hilfe von ambulanten Diensten. Etwa 18 000 Pflegebedürftige aber sind in den landesweit 268 Heimen untergebracht. In den ambulanten Pflegediensten und den Heimen sind zusammen 15 900 Mitarbeiter beschäftigt. Das sind 13 Prozent mehr Mitarbeiter als noch 2005.

"Bis zum Jahr 2010 werden Schritt für Schritt allePflegeheime in Mecklenburg-Vorpommern anhand des einheitlichen Katalogs überprüft ", erklärt Hans-Uwe Timm, Bereichleiter Qualitätsmanagement der AOK.

Die AOK-Pflegekasse betreut mit 14 000 Versicherten einen Anteil von fast 80 Prozent aller pflegebedürftigen Heimbewohner des Landes. Die Leistungsausgaben allein in diesem Bereich belaufen sich auf jährlich 180 Millionen Euro.

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