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22. Oktober 2017 | 04:46 Uhr

Interview : Schulen dürfen nicht wegschauen

vom
Aus der Onlineredaktion

 An Deutschlands Schulen gibt es immer mehr Drogenkriminalität. Darüber sprach Tobias Schmidt mit Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Wie erklären Sie sich diesen beunruhigenden Trend?
Mortler: Das liegt zum einen am unterschiedlichen Engagement der Bundesländer bei der Prävention von Drogenmissbrauch. Zum anderen wird das Problem verharmlost. Von der Politik selber, aber auch von Lobbygruppen wie dem Hanf-Verband oder manchen Medien, die Cannabis als cooles Lifestyleprodukt darstellen. So entsteht bei den jungen Menschen der Eindruck, das sei alles halb so wild.
Der Bundestag hat gerade Cannabis als Rezept für Kranke freigegeben: Ist auch das ein falsches Signal?
Nein. Wir machen eine wirklich differenzierte Cannabis-Politik. Es muss klar unterschieden werden zwischen Cannabis als Medizin von der Apotheke oder für Schwerstkranke, denen es helfen kann, Schmerzen zu lindern und Cannabis im Freizeitkonsum. Dieser bleibt ein großes Risiko.
Worin besteht die Gefahr, wenn Jugendliche regelmäßig kiffen?
Das beginnt damit, dass Jugendliche nur noch rumhängen, sich nicht mehr für die Schule oder die eigene Zukunft interessieren, und endet bei ganz handfesten Dingen wie einem sechsfach erhöhten Psychose-Risiko. Je häufiger ein Joint geraucht wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gehirn Schaden nimmt.
Es geht längst nicht mehr nur um Cannabis, es geht um Ecstasy-Pillen und sogar Crystal-Meth-Fälle: Halten die harten Drogen Einzug in die Schulen?
Das lässt sich so allgemein nicht feststellen, die Faktenlage ist in den Bundesländern unterschiedlich. Klar ist: Wenn die Schulen hinschauen und eingreifen, werden mehr Fälle von Drogenkriminalität registriert.
Aber wenn Schulleitungen wegschauen, die Probleme ignorieren, tun sie den Schülern keinen Gefallen, im Gegenteil. Denn es drohen Hirnschäden, die ein Leben lang anhalten können!
Es gibt schon viele Präventionsprogramme. Warum greifen diese nicht, wie können Schüler wirksamer von Drogen ferngehalten werden?
Wir haben etliche Projekte zur Aufklärung. Aber am Ende ist es
Ländersache: Sie sind für die Prävention zuständig und müssen die Angebote des Bundes intensiver nutzen oder eigene Programme entwickeln. Wenn an den Schulen nur einmal im Jahr aufgeklärt und informiert wird, bringt das nichts. Es muss regelmäßige Veranstaltungen geben.
Und die Jugendlichen müssen ganz gezielt und altersgerecht angesprochen werden. In Bayern wird sehr viel getan. Ich kann auch den anderen Bundesländern nur raten, genug Geld bereitzustellen und die Gesundheit der Schüler in den Mittelpunkt zu rücken.



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