Schüler schauen nicht weg - Sechstklässler beenden Projekt gegen Gewalt und Rechtsextremismus

Im Hintergrund spielen Schüler eine Stammtischszene nach, in der zunächst ausländerfeindliche Parolen fallen und dann der Plan gefasst wird, einen Döner-Imbiss zu überfallen. Die T-Shirts der Kinder zeigen,  dass sie nicht wegsehen, wenn ihnen Gewalt auffällt.
Im Hintergrund spielen Schüler eine Stammtischszene nach, in der zunächst ausländerfeindliche Parolen fallen und dann der Plan gefasst wird, einen Döner-Imbiss zu überfallen. Die T-Shirts der Kinder zeigen, dass sie nicht wegsehen, wenn ihnen Gewalt auffällt.

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29. Juni 2008, 08:30 Uhr

Gadebusch - „Wir sagen Nein zu Gewalt“, war die klare Aussage der Schüler der 6b an der Gadebuscher Regionalen Schule, nachdem sie sich ein halbes Jahr mit den Themen Gewalt und Rechtsextremismus beschäftigt hatten.

Seit Januar haben die Jungen und Mädchen mit ihren Lehrerinnen das Projekt „Rechts – nicht mit uns – Farbe bekennen“, das vom Mädchentreff im Rahmen des Bundesprojektes „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ angeschoben wurde, mit Leben gefüllt. Zum Abschluss stellten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit dem Bürgermeister Ulrich Howest, Vertretern des Präventionsausschusses und er Polizei sowie Eltern und Lehrern vor.

Schüler versetzten sich in die Rollen von Opfer und Täter
So zeigten die Schüler auf der Bühne verschiedene Szenen der alltäglich erlebbaren Gewalt und des offenen Rechtsextremismus in der Gesellschaft. Vor allem unter Schülern kommt es oft zu Mobbing, weil einer nicht die beliebteste Kleidung trägt oder nicht das neueste Handy besitzt. Damit hatten die Sechstklässler ein Thema aufgegriffen, das sie auch direkt selber betreffen könnte. Auch so genannte Abziehdelikte, bei denen Jugendliche anderen unter Gewaltandrohung Dinge oder Geld abnehmen beschäftigten die Schüler. „Man fühlt sich schon sehr überlegen“, sagte zum Beispiel Sarah Falk, nachdem sie auf der Bühne eine der Erpresserinnen gespielt hatte, die einem anderen Mädchen die Gitarre stehlen. So lernten die Schüler im Spiel, sich in die Rollen von Opfer und Täter zu versetzen. „Die Arbeit an diesen Szenen hat sehr viel Spaß gemacht, weil so viele Ideen von den Schülern kamen und sie sich sehr gut eingebracht haben“, sagte Jutta Ahrendt, die Leiterin des Mädchentreffs, nach der Vorstellung des Projekts. Dazu gehörte auch ein Film, den die Schüler selber angefertigt hatten. Dabei hatten sie Mitschüler, Gadebuschs Bürgermeister und einige Passanten auf der Straße zu den Themen Gewalt und Rechtsextremismus befragt.

Dabei äußerten sich dann auch einige Gadebuscher zum Beispiel mit der Aussage, dass Gewalt nie eine Lösung und zu verabscheuen sei. Sie forderten zum Teil aber auch mehr Gemeinschaft unter den Menschen. „Die Bürger sollten mehr aufeinander achten und Rücksicht nehmen“, sagte einer der Befragten.

Besuch in KZ-Gedenkstätte beeindruckte nachhaltigAllerdings waren die Schüler auch etwas erstaunt darüber, dass mache Interview-Partner sehr zurückhaltend in ihren Antworten waren. Die Schüler waren zwar im Vorfeld der Interviews mit Videokamera darauf vorbereitet worden, dass mancher Gefragte auch gar nicht antworten wollen könnte. Dass der Inhalt der Antworten, vor allem zum Thema Rechtsextremismus, teilweise sehr dünn war, wunderte sie trotzdem.
Während des sechsmonatigen Projektes hatten die Schüler immer wieder die Gelegenheit, sich bei Fachleuten oder an Schauplätzen früherer Gewaltverbrechen, zu informieren. „Der Besuch in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen war für mich sehr beeindruckend“, sagte Sarah Falk. In einer Ausstellung wurde den Schülern in der Gedenkstätte in Oranienburg die Situation in dem Lager zwischen 1936 und 1945 gezeigt, in dem Zehntausende durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen umkamen.
Auch wenn das Projekt der Sechsten Klasse nun abgeschlossen ist, werden Gewalt und Rechtsextremismus bei den Schülern der Gadebuscher Regionalen Schule weiter ein Thema sein. Die jetzige Achte Klasse wird schon bald ein ähnliches Projekt beginnen, berichtete Jutta Ahrendt erfreut.

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