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18. November 2017 | 18:35 Uhr

Schönheitskur im Kirchengewölbe

vom

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2011 | 03:13 Uhr

Sternberg | Schönheitskur in Sternbergs größtem Gebäude: Ein Team um Matthias Bresien aus Hundorf bei Schwerin restauriert den 50 mal 25 Meter großen und bis zu etwa 15 Meter hohen Innenraum der Stadtkirche.

Gerade arbeiten die Restauratoren am höchsten Punkt, am Gewölbe im Chor. Mit einem hauchdünnen so genannten Japanpapier decken Rico Grunz und Hanja Stoob über 100 Jahre alte Malereien ab und konservieren sie dabei gleichzeitig mit einem speziellen Leim. Anschließend bessern Maurer und Maler gröbere Schäden aus. Danach ziehen die Restauratoren das schützende Papier wieder ab und bessern die alte Malerei aus.

"Wir versuchen so viel wie möglich von dem Original zu erhalten", erklärt Restaurator-Chef Matthias Bresien. Ein paar Meter weiter müssen die Handwerker gröber vorgehen. Der Putz ist abgebröckelt, muss entfernt, erneuert und die Malerei völlig neu aufgetragen werden. Die Zwickel, erkennbar als gekrümmte Flächen zwischen den Bögen des Gewölbes, waren von oben mit Schutt zugesetzt. Hier hatten sich auch Staub, Vogelkot und Wasser gesammelt, die mit der Zeit zu Schäden im Mauerwerk führten - vor allem entlang der Außenwände der Kirche.

Vor der Restaurierung führte Matthias Bresien im vergangenen Jahr Voruntersuchungen durch: Was ist an ursprünglicher Malerei noch in der Kirche vorhanden?

Von der mittelalterlichen Malerei im 15. Jahrhundert fanden sich nur noch Fragmente. Nachweisen konnten die Restauratoren aber beispielsweise, dass die Stützen ein mittelalterliches Teppichmuster besitzen. Nur ein paar Befunde gibt es auch aus der Barockzeit. 1741 war die Stadtkirche bei einem Brand stark in Mitleidenschaft gezogen und 1746 wieder aufgebaut worden.

Die nächste große Renovierung ist mit dem Jahr 1895 belegt. Damals gingen die Bauherren sehr rigide vor und zerstörten dabei an den Wänden vermutlich auch viele Zeugnisse aus der Vergangenheit.

Diese letzte, neogotische Wandfassung wird jetzt behutsam wieder aufgefrischt. Die damals in einer Leimfarbentechnik aufgebrachte Malerei zersetzt sich mit der Zeit und bröselt, erklärt Bresien. Die Restauratoren konservieren das Vorhandene und verfestigen es. Das große Gemälde über die Reformation im Turmhaus, in Kalkmalerei entstanden, ist hingegen noch in so gutem Zustand, dass es nur gereinigt werden muss.

Durch die Gerüste, die den größten Teil der Sternberger Kirche einnehmen, lässt sich nur schwer erahnen, wie das historische Gebäude künftig wieder erstrahlen soll: das Gewölbe in einem abgetönten Weiß mit Rankenmalerei in Grün, Rot und Ocker, die Wände in Ziegelrot und bis zu drei Meter Höhe eine mehrfarbige Vorhangmalerei. Einen Teil dieses Vorhangs haben die Spezialisten bereits probeweise restauriert. Verwundert erfährt der Betrachter: Die Kirche ist zwar aus Backstein gemauert. Doch von innen sieht man gar nicht die echten Steine, sondern auch nur Farbe. Der Backstein wurde übermalt, auch die sichtbaren Fugen sind nur Farbe.

Ende Oktober sollen die Restauratoren fertig werden. "Wir sind bestrebt das einzuhalten", sagt Matthias Bresien. Die Witterung hatte in jüngster Zeit für Verzug gesorgt. Bei der Kälte waren Putzarbeiten nicht möglich.

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