Splitter : Schlossdrachen heizen Bülower Dorfleben an

Alte Schmiede: Stefan Lück, Britta Krull und Conny Lück (v.l.) gehören zu den Schlossdrachen, die den Treff offen halten.
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Alte Schmiede: Stefan Lück, Britta Krull und Conny Lück (v.l.) gehören zu den Schlossdrachen, die den Treff offen halten.

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15. Juni 2016, 13:42 Uhr

Die Schlossdrachen können kein Feuer speien, aber sie heizen das Bülower Dorfleben an: 15 Einwohner dieses Ortsteil bilden derzeit diese lockere Gemeinschaft, die für Geselligkeit sorgt und auch den Ortstreff in der Alten Schmiede offen hält. Vor dem Treff werden alljährlich der Mai- und der Weihnachtsbaum aufgestellt. Und zu Mitsommer steht ebenfalls ein Höhepunkt an. Dieses Jahr steigt das Dorf- und Kinderfest am 25. Juni.

Bei Britta Krull laufen die Fäden zusammen, auch Conny und Stefan Lück gehören zu den Akteuren. Die Eheleute Lück können sich gut dran erinnern, wie alles begann. Denn die Bülower machten vor Jahren beim Barniner Drachenbootfest gemeinsame Sache. Das markante Schloss im Heimatdorf gab bei der Namenswahl den Ausschlag.

Ins Wettkampfboot steigen die Bülower nicht mehr, es sind auch keine 24 Schlossdrachen mehr. Doch als es darum ging, im Dorf für Geselligkeit zu sorgen, machte das Team weiter. Die Gemeinde sorgte für eine Container, denn die alte Schmiede allein war zu klein. Und der Spielplatz dahinter macht das Ganze zum Treff für Jung und Alt. Stefan Lück, der auch stellvertretender Bürgermeister ist, hofft zudem, dass es wieder mehr Schlossdrachen werden. „Verstärkung ist jederzeit willkommen, auch von jüngeren Bülowern“, betont der 44-Jährige.

Flächengemeinde in finanziellen Nöten

Was für Mecklenburg-Vorpommern als Bundesland gilt, trifft auf Gemeindeebene auf Bülow zu: Auf einer großen Fläche leben wenig Menschen. Zu wenig sogar, um nach dem heute geltenden Finanzierungsmodell klarzukommen. „Wir haben immer mit dem spitzen Bleistift gerechnet, mit Augenmaß gewirtschaftet, keine Schulden gemacht“, betont Bürgermeister Klaus Aurich. Aber die Einnahmen reichen nicht aus, um alle Pflichtaufgaben zu bezahlen. „Das ist schon frustrierend.“ Schon seit einigen Jahren greift die Gemeinde deshalb auf ihr Erspartes zurück. Im Etat für 2016 geht es da um 125  000 Euro. Und da jeder Euro nur einmal ausgeben werden kann, fehlen Mittel für Investitionen. Klaus Aurich fordert daher eine anderer Geldverteilung, eine bedarfsgerechte Finanzausstattung der Gemeinden. Bislang spielt beim Geld die Einwohnerzahl die entscheidende Rolle. Und die ging in Bülow seit der Wende stets zurück auf derzeit rund 350 Menschen. Aber die Gemeindestraßen werden nicht kürzer, die Straßenleuchten nicht weniger. Hinzu kommt: Auf die höchsten Kostenpunkte – die Kreis- und Amtsumlage – haben die Gemeinden kaum Einfluss. Immerhin konnte der Bevölkerungsrückgang gestoppt werden. Die Anzahl von Familien mit Kindern nimmt zu, auch dank Zuzug. Aurich: „Aber rund 20 Häuser stehen immer noch leer.“

Altes Gutsdorf gehört wieder zu einem Gut

Das Dorf Prestin wurde 1270 erstmals erwähnt. Ab 1348 befand sich dort das Stammgut der Familie von Pressentin, die Dorfkirche bauen und Familiekapelle errichten ließ. Das Gutshaus brannte 1945 ab, das Gut wurde aufgesiedelt. Doch das war nicht von Dauer. Er kam zur LPG-Gründung, daraus wurde nach der der Wende eine Produktivgenossenschaft. Die existierte bis 2001. Familie Rethmann übernahm den Betrieb und machte daraus wieder ein Gut: Derzeit wird gerade der Rinderstall modernisiert. 350 Kühe sind dort zu finden, hinzu kommen Jungtiere. Auf den Feldern werden vor allem Roggen, Mais und Raps angebaut, berichtet Betriebsleiterin Annette Kahl.

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