Schließen Politiker den Flughafen?

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14. November 2008, 08:32 Uhr

Rostock | Rostocker - Kommunalpolitiker denken offen darüber nach, den in schwere finanzielle Turbulenzen geratenen Flughafen Rostock-Laage schließen zu lassen. Bündnis 90 will auf einer der nächsten Bürgerschaftssitzungen, den Hauptgesellschafter Rostock beauftragen, die Öffnungszeiten radikal einzuschränken, was Kosten senken, aber einem schleichenden Tod der Flughafengesellschaft gleichkäme.

"Rostock-Laage ist ein Fass ohne Boden", begründet Fraktionsvorsitzender und Kreisvorstand Johann-Georg Jaeger die radikale Forderung seiner Partei. Für dieses Jahr hat die Flughafengesellschaft ein Rekordverlust von 1,8 Millionen Euro vermeldet, der ohne Finanzspritze des Landes (Marketingzuschuss) und Darlehen der Gesellschafter (Liquiditätshilfe) wohl noch höher ausgefallen wäre. Rostock ist mit 54,1 Prozent Hauptanteilseigner und muss dementsprechend für dieses Jahr den Verlust mit rund einer Million Euro ausgleichen, im kommenden Jahr ist eine ähnliche Summe vorgesehen. Eine Aussicht auf Besserung gibt es nicht. "Wir haben keine Chancen im Wettbewerb", stellt Jaeger klar und verweist auf die Konkurrenz in Lübeck, Hamburg und Berlin. Ein Beleg: Die Passagierzahlen für 2009 werden von der Flughafengesellschaft selbst auf nur noch 152 700 geschätzt, was einem Minus von 40 000 Gästen zu 2007 entspricht.

Um die Betriebskosten zu senken, will Bündnis 90 nun die ohnehin schon eingeschränkten Nutzungszeiten weiter herabsetzen. Das würde unausweichlich das Ende des Airports bedeuten, gibt Wortführer Jaeger unumwunden zu. Laut testiertem Jahresabschluss sind in der Flughafengesellschaft Rostock-Laage-Güstrow 86 Mitarbeiter einschließlich Aushilfen und Auszubildende beschäftigt. Dazu kommen noch eine Reihe von Reisebüros und Filialen von Veranstaltern. Offen wären die Auswirkungen auf den Airpark Rostock-Laage, einem Gewerbegebiet mit immerhin 600 Hektar.

Trotz des einschneidenden Vorschlags von Bündnis 90 ist der Widerstand in der Bürgerschaft begrenzt. CDU-Fraktionsführer Franz Laube betont zwar die besondere Bedeutung des Flughafens, will allerdings auch die "ausufernden Kosten" minimieren und verlangt eine Prüfung. Linken fraktionschef Steffen Bockhahn hingegen spricht sich gleich Bündnis 90 "lieber für ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende aus". Ob die Pläne zum Ende für den Flughafen mehr sind als eine Drohung gegenüber Schwerin, das nach wie vor das Konzept eines Landesflughafens ablehnt, wird sich im Dezember, spätestens im Januar zeigen.

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