Schlanker Single, dicker Partner

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01. Februar 2008, 08:28 Uhr

Die Deutschen haben ein schwerwiegendes Problem, zumindest wenn es nach der neuen „Verzehrstudie“ der Bundesregierung geht. Zu schwer, zu wenig Bewegung.

Ob aber Pommes frites, Cola, Chips oder paniertes Schnitzel für die übermäßigen Pfunde verantwortlich sind, will Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) erst im April verraten. Der erste Teil der Studie, für die 20 000 Bundesbürger befragt wurden – unter anderem in Pampow, Dobbertin, Dabel und Rostock in MV, Guben und Bernau in Brandenburg –, kommt jedenfalls schon zu einigen aufschlussreichen Fakten. Unter den Gründen für Übergewicht wiegt der soziale Status besonders schwer. Dabei spielen nach Angaben der Studie Einkommen, Ausbildung und berufliche Stellung eine Rolle.

Ausschlag gibt der Trauschein
Ein anderer Grund ist die Familie: „Singles sind schlanker als Verheiratete“, sagt Seehofer. Während nur rund die Hälfte alleinstehender Männer an Übergewicht oder Fettleibigkeit leidet, schnellt der Anteil bei Männern, die zusammen mit Ehefrau oder Freundin leben, auf etwa drei Viertel hoch. Bei Frauen schlägt die Tatsache, ob sie mit einem Partner zusammenleben oder nicht, kaum auf der Waage durch.

Den Ausschlag gibt offensichtlich der Trauschein: 54 Prozent der verheirateten Frauen haben Übergewicht oder sind fettleibig, bei ledigen Frauen ist es nur knapp ein Drittel. Die These, dass der Ehemann für die Pfunde verantwortlich sein mag, wird allerdings dadurch gestört, dass Witwen noch übergewichtiger sind.

Warum nehmen die Deutschen immer mehr zu? „Unsere Lebensbedingungen haben sich verändert“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Professor Peter Stehle. „Unsere Ernährung hat sich jedoch nicht angepasst.“ Überall werde man mit Essensangeboten überhäuft. Beim Einkaufen haben in Deutschland meist Frauen die Federführung, ergab die „Verzehrstudie“ des Bundesforschungsinstituts für Ernährung. Die meisten Bundesbürger informieren sich über Ernährung in Zeitungen, Zeitschriften, im Fernsehen und über die Lebensmittelkennzeichnung sowie persönliche Kontakte.

Die Maßnahmen gegen Übergewicht sind nicht neu. Seehofers Vorgängerin, Ex-Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), hatte den Kampf vor allem gegen zu viele Pfunde bei Kindern bereits angetreten. Seehofer versucht es mit Appellen. Er will keine Verbote oder gar zusätzliche Abgaben und setzt auf Kampagnen in Schulen, besseres Essen in Kantinen sowie eine neue Lebensmittelkennzeichnung. Das geht der Opposition und vielen Verbänden nicht weit genug.

Seehofer rät den Bundesbürgern: „Kaufen Sie niemals hungrig ein!“ Für den Einkaufswagen empfiehlt er abwechslungsreiches Essen in Maßen, aber auch Bewegung. „Eine Ernährungsberaterin hat mir mal gesagt, alles, was auf dem Acker wächst, ist gesund.“ Dabei räumt der frühere Handballspieler ein, dass er zu wenig Zeit für Sport hat. Auf die Frage, ob er übergewichtig ist, sagt er: „Ich bin sehr großen Schwankungen unterworfen. Ich bin jedenfalls in Sichtweite zum Idealgewicht.“

Was vielleicht auch Seehofer hilft: Genaue Angaben zu Kalorien, Fett, Kohlenhydraten, Zucker und Salz müssen in Europa künftig auf Lebensmittelverpackungen stehen. Bisher sind diese Informationen freiwillig, sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou gestern in Brüssel. Die EU will jedoch nur vorschreiben, dass die Verpackungen die Nährwerte in Gramm oder Milliliter gut leserlich auf ihrer Vorderseite tragen müssen.

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