Schafsfriedhof auf Lüttower Acker

Das Muttertier mit seinen verendeten Lämmern auf der Weide bei Lüttow. Foto: Alexander Landsberg
Das Muttertier mit seinen verendeten Lämmern auf der Weide bei Lüttow. Foto: Alexander Landsberg

Ein grausamer Anblick in Lüttow. Dutzende tote Schafe liegen auf der Koppel von Schäfer Guido Laß Veterinärmediziner des Landkreis leiteten nach Besichtigung der Koppel ein Verfahren gegen den Halter der Herde ein und erließen strenge Auflagen.

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28. Januar 2008, 08:12 Uhr

Lüttow - Die Raben kreisen über dem Schafsfriedhof in Lüttow. Von weitem wirkt der Acker mit den etwa 80 Schafen idyllisch. Abgelegen, versteckt hinter Baumreihen grasen die Schafe, die noch am Leben sind. Denn bei näherer Betrachtung offenbart sich ein grausames Bild. Dutzende tote Schafe und Lämmer liegen zwischen Strohballen und am Rand der Koppel. Teilweise sind die Kadaver verwest, sind nur noch Skelette sichtbar.

Der stellvertretende Ordnungsamtsleiter von Zarrentin ist eingetroffen, um sich ein Bild vom Ort des Grauens zu machen. Auch er ist vom Anblick erschüttert. „Dieser Fall ist wirklich dramatisch. Da muss der Landkreis sofort handeln“, sagt Ulrich Stein.

Der Amtsleiter des Veterinäramtes Hans-Hermann Schultz ist mit der Amtstierärztin Swantje Kuchenbuch schon auf den Weg, da schreitet der Besitzer der Schafsherde auf die Koppel. „Sie haben hier nichts zu suchen, verschwinden sie“, verwehrt er der SVZ und dem Ordnungsamtsbediensteten Ulrich Stein den Zugang. Im gleichen Moment greift der Landkreis ins Geschehen ein. Auch der Amtsleiter und die Tierärztin sind vom Anblick der Tierkadaver erschüttert. G. L. versucht die Sache zu verharmlosen, die Veterinäre mit Nebensächlichkeiten abzulenken. „Das interessiert uns nicht. Uns interessiert, warum hier überall tote Schafe liegen“, so Hans-Hermann Schultz. Nicht das erste Mal, dass der Viehhalter Probleme mit dem Veterinäramt hat.

Nach SVZ-Informationen hatte der Bauer neben der Herde in Lüttow auch in Rögnitz (Kreis Nordwestmecklenburg) eine Schafszucht. Doch nach mehrfachen Problemen mit dem dortigen Landkreis musste er seine Viehhaltung aufgeben. Seinen Bestand in Lüttow reduzierte er von fast 500 auf nunmehr 80 Tiere, die er nach Angaben von Dorfbewohnern vernachlässigte. So bissen die Schafe im Sommer die Elektrozäune durch, um zu nächsten Wasserstelle zu gelangen. Denn einen Wasserzugang haben die Tiere auf der Weide bis heute nicht. Gegenüber der SVZ sagte der Bauer: „Es waren alles alte Schafe und es ist normal, dass einige Tiere bei der Geburt sterben.“ Zudem drohte der Bauer bei Veröffentlichung mit Klage.

Nach einer genauen Besichtigung der Schafskoppel stellte Hans-Hermann Schultz unzählig verendete Tiere fest und leitete gegen den Schäfer ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. „Ein Bußgeld wird in noch nicht bekannter Größe folgen“, so die Amtsärztin Svantje Kuchenbuch. „G. L. verstößt mit seiner Viehhaltung gegen das Tierschutz- und Tierkörperbeseitigungsgesetz. Bis Oktober muss er seine Herde aufgeben, die Kadaver binnen 48 Stunden beseitigen lassen und die restlichen Tiere vorerst in überdachte Stallungen bringen“, so der Amtsleiter. „G. L. ist uns bekannt. Wir haben ihn schon des öfteren besucht und wurden von Bürgern auf die besondere Situation aufmerksam gemacht“, so Hans-Hermann Schultz. Beide Veterinärmediziner denken auch über ein generelles Haltungsverbot von Schafen für den Viehhalter nach. „Dies stehe allerdings noch nicht endgültig fest“, so die beiden Veterinärmediziner.
Die Entsorgung von Tierkadavern ist in Mecklenburg-Vorpommern sehr kostspielig. Kosten, die der Bauer entweder nicht tragen konnte oder wollte. Für viele Tiere kommt das jetzige Einschreiten jedenfalls zu spät.

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