Schärfer, raffinierter, gemeiner

Auf das Geld von Senioren haben es   Trickbetrüger abgesehen, die sich am Telefon als Enkel in akuter Notlage ausgeben. Foto: Kripo
Auf das Geld von Senioren haben es Trickbetrüger abgesehen, die sich am Telefon als Enkel in akuter Notlage ausgeben. Foto: Kripo

Der so genannte Enkeltrick ist in Deutschland seit 1999 bekannt. Senioren werden dabei mit etlichen Lügen am Telefon um viel Geld geprellt. Seit dem Sommer gibt es eine "russische Variante", wie Kriminalisten sie nennen: Betrogen werden dabei Migranten. In Schwerin erbeuteten unbekannte Täter mehr als 10 000 Euro. Die Kripo warnt alle Senioren.

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09. Dezember 2008, 08:06 Uhr

Schwerin | "Der Enkeltrick in seiner russischen Variante ist schärfer, gemeiner, raffinierter und schwieriger aufzuklären als die bisher bekannten Fälle", sagt Kriminaloberkommissar Bernd Hollstein. Aufklärungsarbeit sei auch in Schwerin oberstes Gebot. Die Geschädigten würden ihr Geld nämlich selten wiedersehen. Selbst wenn ein Täter gestellt würde, habe der meist nur als Bote fungiert, das große Geld fließe ins Ausland. Bei der deutschen Spielart des Ekeltricks geht die Kripo davon aus, dass die Drahtzieher in Polen sitzen. Die russische Variante ließe sich nach Litauen zurückverfolgen.

Der Trick funktioniert so: Ein angeblicher Enkel ruft einen Senioren an, schildert eine akute Notlage und bittet sofort um eine große Summe Bares. Da der Enkel aus fadenscheinigen Gründen das Geld nicht selbst abholen könne, kündigt er einen Boten an. Meist arbeiten die Täter im Team: Anfangs würden die Senioren ausspioniert, ihre Telefonnummer ausfindig gemacht, anschließend erfolgt der Anruf. In der deutschen Trick-Variante werde zumeist die "Oma" gebeten, eine große Summe Geld von der Bank abzuheben.

In der russischen Variation, die Hollstein jetzt vor Migranten im Mueßer Holz vorstellte, ist für einen Gang zum Bankautomaten keine Zeit eingeplant. Stattdessen werde am Telefon Druck gemacht. "Die Opfer werden durch einen männlichen Anrufer in russischer Sprache angerufen", so Hollstein. "Manchmal weint der Anrufer oder spricht sehr aufgeregt, um seine Stimme zu verstellen. Und das meist so lange, bis der Angerufene einen Namen nennt, wie etwa: Bist du es Sascha?" Anschließend erkläre der Anrufer, er habe einen Verkehrsunfall oder eine Schlägerei verursacht. Ihm drohe eine Anzeige oder gar Inhaftierung. Um das Problem zu lösen, sei sofort eine Geldzahlung notwendig. Und wie es der Zufall so wolle, sei gerade ein Bekannter in der Nähe, der das Geld abholen könne. "Während des Telefonats klingelt dieser schon an der Tür, so dass dem Opfer kaum Zeit zum Nachdenken bleibt", so Hollstein. "Diese Telefonate dauern durchschnittlich eine halbe Stunde."

Offenbar nur einen Tag lang waren die Trickbetrüger bei Schweriner Migranten aktiv, und zwar am 15. Oktober. Der Kripo wurden fünf dubiose Anrufe gemeldet, in drei Fällen zahlten die angeblichen Großeltern sogar. Mehr als 10 000 Euro wurden auf diese Art und Weise ergaunert. "Wir gehen von einer noch größeren Dunkelziffer aus", so Hollstein. "Viele Menschen schämen sich, so betrogen worden zu sein und melden sich deshalb nicht bei uns."

Im vergangenen halben Jahr kostete der Enkeltrick russische Migranten in Deutschland knapp 250 000 Euro, berichtet der Kriminalbeamte. Die Taten scheinen sich wie ein Band durch die Republik zu ziehen, beobachten die Kriminalisten: Nachdem die Täter einen oder mehrere Tage in einer Stadt aktiv waren, legen sie an diesem Ort erstmal eine Pause ein.

Der letzte bekannte Fall des Enkeltricks in deutscher Variante habe sich in Schwerin im August ereignet. Das Opfer zahlte mehr als 4000 Euro. Ein 16-jähriger Tatverdächtiger wurde in Würzburg gestellt, wo er mit dergleichen Masche unterwegs gewesen sei, so Hollstein.

Wer Hinweise oder Fragen zum Enkeltrick hat, kann sich an den Kriminaldauerdienst unter Telefon 20 70 22 22 oder an jede Polizeidienststelle wenden.

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