Rückkehr der Kopfnoten

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22. Mai 2008, 06:03 Uhr

Schwerin - Ein Reizwort wird Realität: Mit dem Schuljahr 2008/09 führt Mecklenburg-Vorpommern die Kopfnoten wieder ein. Von Klasse 2 an werden dann Arbeits- und Sozialverhalten auf dem Zeugnis bewertet. Gegner und Befürworter liegen sich heftig in den Haaren. Wir erklären, wie die Bewertung funktionieren soll.

Fleiß? Na ja. Betragen? Oh je. Dazu in der Klasse 1-Beurteilung der auf Lebenszeit in die grauen Zellen gebrannte Satz: „Frank muss es lernen, im Unterricht weniger vorlaut zu sein.“ Das zum Thema Kopfnoten-Erfahrung anno dunnemals.

Welche neuen Kopfnoten und Bewertungen gibt es?
Heute ist – natürlich – alles anders. Das fängt schon beim Wort an. „Der Begriff Kopfnoten ist definitiv falsch“, sagt Norbert Frank, der zuständige Referatsleiter im Schweriner Bildungsministerium. „Es gibt eine Bewertung des Arbeits- und des Sozialverhaltens.“ Und die hätte mit den alten Kopfnoten für Gesamtverhalten, Betragen, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit aus eigenen Schultagen nun partout nichts mehr zu tun. Auch, weil es für die zwei neuen Bewertungsbereiche tatsächlich keine Noten gibt. Stattdessen steht auf dem Zeugnis künftig ein Worturteil in vier Abstufungsmöglichkeiten – „vorbildlich“, „gut“, „zufriedenstellend“ und „entwicklungsbedürftig“. Lehrer, die zu letzterem Urteil greifen wollen, müssen das allerdings eine auf dem Zeugnis zusätzlich erklären und begründen.

Auf welchen Zeugnissen erscheint die Bewertung?
Der Bewertungszuwachs kommt nach den Sommerferien auf die allgemeinbildenden Schulen mit Ausnahme der Erstklässler zu. „In den Jahrgangsstufen 2 bis 8 wird auf allen Halbjahres- und Jahreszeugnissen die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens mit der Gesamteinschätzung auf der ersten Seite erscheinen“, erklärt der Ministerialfachmann. Damit auch klar wird, wie das jeweilige Worturteil einzuordnen ist, werden darunter noch einmal alle vier Bewertungsgerade festgehalten. Sicher ist sicher.

Was ist mit Abschluss- oder Bewerbungszeugnissen?In Sachen bundesweiter Bewerbungen haben mittlerweile die Kritiken und Warnungen vor einer Benachteiligung mecklenburg-vorpommerscher Jugendlicher Wirkung gezeigt. „Für alle Abgangs-, Abschluss- und Übergangzeugnisse sowie die der Jahrgangsstufen 9 und 10 gibt es die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens auf einem Beiblatt“, sagt Frank unter Berufung auf eine Neuregelung im Zeugnis-Erlass. Ansonsten hätten Nordost-Schüler unter Umständen schlechte Karten, wenn MV in diesen Fällen die Bewertungen als einziges Bundesland direkt auf dem Kernzeugnis festhielte.

Andererseits, da ist sich der frühere Schulleiter sicher, werde die ausbildende Wirtschaft danach fragen. „Und wenn man da etwas vorweisen kann, dann sollte man das auch tun.“

Passiert mehr als nur die Bewertung?
Neben dieser Außenwirkung ginge es in erster Linie aber um die Stärkung der Erziehungsfunktion und auch der Selbstständigkeit von Schule, betont Frank. Einerseits müssten sich die Lehrerkollegien selbst auf einen praktikablen Bewertungsmodus einigen. Andererseits sollten Schüler, Lehrer und Eltern mehr miteinander ins Gespräch kommen, ergänzt er. „Das läuft ähnlich wie auf Fachebene auf gemeinsame Erziehungsvereinbarungen hinaus.“

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