Rotes Licht für Autobahnbrücke

Leistungsgrenze überschritten: 55 000 Autos rollen hier täglich.georg scharnweber
Leistungsgrenze überschritten: 55 000 Autos rollen hier täglich.georg scharnweber

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12. Januar 2010, 08:53 Uhr

Evershagen | Schon jetzt Aus für Brückenlösung auf der Stadtautobahn? Der Rostocker Bauausschuss hat sich gestern gegen das Prestigebauwerk an der Evershäger Ampelkreuzung ausgesprochen - vehement. "Was nützt uns der toll ausgebaute Verkehrsknoten, wenn wir auf der Hamburger Straße nur mit Tempo 30 fahren können und den Straßenlaternen das Licht aus geht", sagt Ausschussvorsitzender Frank Giesen (CDU).

Auf 2,4 Millionen Euro beläuft sich allein der städtische Anteil für die Planungskosten, "von denen wir 65 Prozent aus Fördermitteln schöpfen können", sagt Heiko Tiburtius, Leiter vom Rostocker Tief- und Hafenbauamt. Die tatsächliche Umsetzung könnte frühestens 2012 folgen. Wie hoch die Baukosten am Ende sein werden, kann erst danach Planung ermessen werden. Seit Jahren sieht ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept vor, die Doppelampelkreuzung auf der Stadtautobahn durch eine Brücke zu ersetzen.

Der erste Grund: 55 000 Autos rollen hier täglich rüber. "Die Leistungsgrenze haben wir lange überschritten", sagt Tiburtius.

Der zweite Grund: Die A 14 wächst weiter Richtung Niedersachsen. Das Land hofft, auf dieser Verkehrsader zusätzliche Touristen an die Küste zu holen. Das Verkehrsministerium forciert daher den Ausbau der Evershäger Kreuzung - für den besseren Verkehrsfluss.

"Was Urlauber zuerst in Rostock sehen, sind unsere gut ausgebauten Straßen", argumentiert Helge Bothur (Die Linke). Sein Parteigenosse Götz Kreuzer (Die Linke) sieht das etwas anders. "Das Innenministerium will von uns 22 Millionen Euro Schuldenabbau und das Verkehrsministerium Millionen für ein Prestigebauwerk", sagt er. "Wir haben einfach kein Geld dafür." Bauausschuss gegen Verkehrsministerium - David gegen Goliath? Im absoluten Ernstfall könnte Rostock eine Klage drohen, obwohl Tiburtius das zunächst bezweifelt. Aber eines ist für ihn klar: Weil das Evershäger Kreuzungsbauwerk seit Jahren im gesamtstädtischen Verkehrskonzept vorgesehen ist, hat sich sein Amt kaum um die Kreuzung gekümmert. "Wir haben sie in den vergangenen Jahren ziemlich auf Verschleiß gefahren", erklärt er. Doch selbst wenn die Hansestadt das Geld für die Planung zusammenkratzt, "angesichts der Haushaltslage glaube ich kaum, dass wir in den kommenden Jahren dann Geld für den Brückenbau haben", meint Karl Scheube (SPD). Und es sei doch Quatsch, jetzt zu planen und in zehn Jahren nach den veralteten Plänen bauen zu wollen, sagt Giesen. Der Warnowtunnel würde von dem Autobahnausbau profitieren. So glaubt Johann-Georg Jaeger (Die Grünen). "Dann können die Lkw direkt durch den Tunnel zum Überseehafen fahren."

Fakt bleibt: Rostocks Brücken sind in einem schlechten Zustand. Das teilte das Tief- und Hafenbauamt dem Ausschuss gestern ebenfalls mit. In den nächsten Monaten beginnen die Sanierungen der Vorpommern- und der Mühlendammbrücke.

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