Rostocker Gedächtnis ist 3000 Meter lang

von
23. Mai 2008, 04:51 Uhr

Rostock - Für die möglichen Fragen von morgen werden bereits heute die Antworten gesammelt. Das ist nur eine Aufgabe, die das Archiv der Hansestadt Rostock erfüllt. Sein Ursprung führt in die Zeit der Stadtentstehung zurück. Doch erst seit 1884 wird es auf wissenschaftlicher Basis geführt.

Die Hauptaufgabe der täglichen Arbeit ist das Sichten und Archivieren der Unterlagen der Stadtverwaltung, die ständig benötigt werden. „Dies umfasst eigentlich alle Lebensbereiche ob nun den Rechtsstatus für die Stadt und ihre Rechte, Bürgerschaftsbeschlüsse, Baugenehmigungen bis hin zu Abschlusszeugnissen in der Berufsausbildung“, erklärt der Chef des Rostocker Archivs, Dr. Karsten Schröder.

Dabei spielen manchmal selbst Jahrhunderte alte Unterlagen in der heutigen Zeit eine wesentliche Rolle. So war die Urkunde über den Kauf der Rostocker Heide aus dem Jahre 1252 wichtig, um Rückübertragungsrechte der Stadt beim Bund geltend zu machen. In der Heide gab es eine Reihe militärischer Liegenschaften, die nach der Wende zunächst dem Bund zugesprochen wurden. Doch Rostock konnte seine Ansprüche, auch mit dem Jahrhunderte alten Dokument, sichern.

Alltagsgeschäft und Bestandssicherung
Eine andere, nicht weniger wichtige Aufgabe ist es, quasi das Gedächtnis der Stadt zu füttern. „Aus der Vielzahl von täglichen Informationen filtern wir das Wesentliche für Rostock heraus. Wir sammeln und sichern das Material und bieten Antworten auf Fragen, die möglicherweise jemand in 100 Jahren stellt“, so Schröder.

Neben dem Alltagsgeschäft ist die Betreuung des historischen Materials ein wichtiger Auftrag. 1884 leistete sich die Stadt den ersten wissenschaftlichen Archivar. Er richtete ein Ordnungssystem ein. Bis dahin lagen Akten, Fotos, Bücher und vieles mehr eher wie Kraut und Rüben umher, stellte die damalige Rostocker Abendzeitung fest. Im Frühjahr 1884 suchten die Rostocker Ratsherren und Bürgermeister verzweifelt nach den Urkunden alter Privilegien.

Sie wurden für eine wichtige Entscheidung gebraucht. Keiner wusste wo das Kopialbuch war oder wer es als letzter in den Händen hielt. Erst ein Zufall brachte diese archivarische Quelle, die Urkunden in Abschriften enthält, wieder zu Tage. Eine Reinemachefrau fand das Buch unter einem Kissen auf dem Stuhl des wortführenden Bürgermeisters. Jahre oder Jahrzehnte sogar lag es dort und diente als Sitzerhöhung.

Das Archiv steht jedem offen. „An der Geschichte Rostocks Interessierte nutzen unsere Einrichtung. Und auch bei der Familienforschung, Schüler- oder wissenschaftlichen Anfragen von Profi-Forschern helfen wir“, so Schröder. Dabei ist der Bestand in zwei Hauptbereiche unterteilt. Der eine reicht von 1251 bis 1945. Der andere ab 1945 bis in die heutige Zeit.

Benutzerordnung regelt Umgang mit dem Archivgut
Um das wertvolle Gut zu schützen, aber auch um Persönlichkeits- und Urheberrechte sowie schutzwürdige Belange der Hansestadt zu sichern, gibt es eine strenge Benutzerordnung. „Auf der Suche nach einem bestimmten Dokument helfen die so genannten Find-Bücher“, sagt Schröder. Gegliedert nach den verschiedenen Beständen enthalten sie den Aufbewahrungsort der Unterlagen.

Der historische Bestand umfasst die Überlieferungen von 750 Jahren. Gut drei Kilometer lang wäre die Strecke, würde man die Dokumente an einander reihen. Hinzu kommen Sammelgut, Bücher und vieles mehr. Das älteste Stück ist ein Handelsprivileg des dänischen Königs für Rostocker Kaufleute aus dem Jahre 1250.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen