Ringen um den Neuanfang

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22. Mai 2008, 06:41 Uhr

Ludwigslust - Der Glanz früherer Zeiten ist verblasst auf dem Ludwigsluster Motodrom. Kamen zu DDR-Zeiten noch Tausende zu den Veranstaltungen auf die Sandrennbahn, waren es zuletzt nur noch maximal 500. Der Motorsportclub als Pächter des Areals ringt nun um einen Neuanfang.

Das Schild am Eingang zur Ludwigsluster Sandrennbahn hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Die Farbe bröckelt ab, alles macht einen etwas verlorenen Eindruck. Kein Zweifel – der Glanz früherer Zeiten, als zu Motorsport-Veranstaltungen Tausende pilgerten, ist verblasst. Das stellt Josef Zimmermann (61), der Vorsitzende des MC Ludwigslust, auch gar nicht in Abrede. Hochkarätige Veranstaltungen seien einfach zu teuer, wendet er ein.

„Wir haben alles versucht: Welt- und Europameisterschaftsläufe gab es. Am Ende war es immer ein Verlustgeschäft“, erklärt Zimmermann, der nach eigenen Worten mit dem Motorsport groß geworden ist. „Jedes Mal mussten wir uns im Vorstand den Kopf zerbrechen, wie wir die Minusbilanz ausgleichen können. Irgendwann geht das nicht mehr“, so Zimmermann. Im Schnitt seien es 500 Zuschauer bei solchen Veranstaltungen gewesen.

Demgegenüber stünden aber bis zu 11 000 Euro Kosten pro Rennveranstaltung. „Sponsoren zu finden ist nahezu unmöglich. In den Firmen sitzt das Geld nicht so locker“, weiß Zimmermann als Unternehmer nur zu gut.
Vorstand musste auf die Bremse tretenAlso habe der Vorstand des MC bereits vor dreieinhalb Jahren auf die Bremse getreten. „Wir machen nur noch Veranstaltungen, die sich selbst tragen und der Förderung unseres sportlichen Nachwuchses dienen“, sagt der MC-Vorsitzende. Die rund 50 Vereinsmitglieder wollen sich wieder auf den Kern besinnen, den Motorsport in Ludwigslust langsam aufbauen. Durchhalten lautet die Devise, auf kleinerer Flamme weitermachen.

„Wir wollen wieder mit der Jugend anfangen und daraus später ein eigenes Team zusammenstellen“, umreißt Josef Zimmermann das Konzept. In dem Zusammenhang hat der Enduro-Sport an Bedeutung gewonnen – ein Hobby, das weniger kostenaufwendig ist. Eine Strecke dafür ist laut Zimmermann zu 90 Prozent fertig gestellt. Rund 20 Enduro-Fahrer seien es inzwischen, die regelmäßig auf die Sandrennbahn kämen.

Daneben öffnet sich der MC auch anderen Events. Im vergangenen Sommer fand auf dem Motodrom das Rockfestival „Burning Summer“ statt, Fortsetzung in diesem Jahr. Auch Modellflieger haben in der Vergangenheit auf dem Motodrom ihrem Hobby nachgehen können. Mit dem Freizeitzentrum Zebef hat sich der MC ebenfalls in Verbindung gesetzt und seine Unterstützung signalisiert, sollten Moped-Fahrveranstaltungen ein geeignetes Gelände benötigen.

Zimmermann reagiert ungehalten, sieht er durch die öffentliche Kritik doch das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder in Misskredit gezogen. „Man darf nicht vergessen, dass die Anlagen auch instand gehalten werden müssen. Man kann den Mitgliedern dafür nicht dankbar genug sein“, unterstreicht er. Oft sei von Kritikern zu hören, neue Ideen und Konzepte für die Rennbahn müssten her. Kaum jemand aber wolle sich einbringen und mittun. Das sei nur ein Häuflein Unentwegter.

Motorsport-Veranstaltungen haben eine lange Tradition in Ludwigslust, die bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück reicht. Eigentümer des Geländes ist die Stadt, von der der MC das Terrain gepachtet hat.

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