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15. Dezember 2017 | 03:50 Uhr

Prozess Teil II : Richter spricht Arzt schuldig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bewährung und Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung verhängt, Verurteilter arbeitet in Perleberg

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Nach dem Tod einer Patientin im Anschluss an eine Operation ist ein Chirurg zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden. Der damalige Chefarzt einer Klinik im Süden Schleswig-Holsteins und jetzt angestellter Arzt am Kreiskrankenhaus Perleberg machte nach Auffassung des Amtsgerichts Norderstedt „in Selbstüberschätzung“ verhängnisvolle Fehler, die den Tod der 67-Jährigen Ende Juni 2011 zur Folge hatten.

Der Angeklagte habe sich damit der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, sagte der Amtsrichter gestern nach zweitägiger Verhandlung. Laut Urteil muss der Mediziner 8000 Euro an ein Kinderhospiz zahlen.

Das Gericht folgte mit dem Schuldspruch dem Strafantrag des Staatsanwalts. Die Nebenklage wollte eine Bewährungsstrafe von mindestens einem Jahr, die Verteidigung forderte Freispruch.  Vor und während der Operation einer Leberzyste habe der Chirurg sorgfaltswidrig gehandelt und letztlich den Tod der Patientin verursacht, sagte der Amtsrichter – gestützt auf entsprechende Schilderungen eines Gutachters. So verzichtete der 50-Jährige vor dem Eingriff auf eine genaue Diagnostik durch eine Computer-Tomographie.

Dann brach er die Operation trotz mangelnder leberchirurgischer Fähigkeiten nicht ab. Er hätte die Patientin aber sofort ins 25 Kilometer entfernte Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verlegen müssen. Schließlich nähte er demnach auch noch falsche Venen zu, um schwere Blutungen der Leber zu stillen. „Er glaubte, er tue was Gutes“, sagte der Richter, „das Gegenteil war der Fall“. Er habe den Tod eines Menschen und Unrecht auf sich geladen.

Der Richter rügte ebenso wie die Nebenklage, dass der Arzt im Verfahren die Verantwortlichkeit von sich weg- und anderen zuschob. Bei ihm als Chefarzt habe aber die Verantwortung für die Operation und die Zusammensetzung des Operationsteams gelegen. Dabei waren auch unerfahrene Assistenzärzte im Einsatz. Der Eingriff dauerte Stunden.

Der 50-Jährige war nach dem Vorfall sofort suspendiert worden.

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