Rettung für Wadan-Werften in Sicht - 210 Millionen Euro vom Staat

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05. Februar 2009, 08:29 Uhr

Rostock/Schwerin - Für die in finanzielle Schieflage geratenen Wadan-Werften zeichnet sich eine Lösung ab. Neue Kredite in Höhe von insgesamt 210 Millionen Euro sind dank staatlicher Hilfe in Sicht. Wie die dpa am Donnerstag erfuhr, haben sich die Deutsche Bank und die KfW IPEX-Bank bereiterklärt, den beiden Schiffbaubetrieben in Wismar und Warnemünde jeweils einen Kredit in Höhe von 90 Millionen Euro zu gewähren. Die Verhandlungen dazu seien auf gutem Wege, hieß es.

Das Konsortium refinanziert die Kreditsumme von insgesamt 180 Millionen Euro über die staatliche KfW-Bank, die den entsprechenden Antrag jedoch noch genehmigen muss. Das Paket steht unter dem "Rettungsschirm" des Bundes. Im Rahmen des Konjunkturpakets II sichert der Bund 90 Prozent der Risiken dieses Kreditgeschäfts ab.

Unterdessen billigte der Finanzausschuss des Schweriner Landtags weitere Hilfen für die Wadan-Werften, die seit vergangenem Jahr in russisch-koreanischem Besitz sind. Von dem 60-Millionen-Euro- Darlehen, das das Land im Dezember kurzfristig gewährte, muss das Unternehmen nach übereinstimmenden Angaben von SPD-, CDU- und Linksfraktion nur 48 Millionen Euro fristgerecht bis Ende März zurückzahlen. Für die übrigen 12 Millionen Euro wurde die Laufzeit bis Ende Oktober 2010 verlängert. Darüber hinaus billigte der Finanzausschuss eine weitere Kreditlinie über 18 Millionen Euro, auf die der Schiffbauer bei Bedarf unter bestimmten Bedingungen zugreifen kann. Die neue Kreditlinie soll aus den zurückfließenden 48 Millionen Euro des Dezember-Darlehens finanziert werden.

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) betonte, dass der bisherige Kreditrahmen de facto nicht erweitert werde. Es werde lediglich der Rückzahlungszeitraum für die Hälfte des Darlehens verlängert. Seidel begrüßte zugleich das Engagement der Deutschen Bank und der KfW IPEX-Bank. Ziel sei, die heimischen Werften langfristig zu sichern. Mit den in Aussicht gestellten Krediten kann Wadan Yards den Bau von zehn der derzeit zwölf in Auftrag befindlichen Schiffe finanzieren. Der Engpass in der Zwischenfinanzierung war infolge der internationalen Finanzkrise entstanden.

"Wenn wir die rund 7000 Arbeitsplätze im Land retten wollen, die durch die Krise der Schiffbauindustrie gefährdet sind, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als einer erneuten Darlehensgewährung zuzustimmen", erklärte der finanzpolitischer Sprecher der SPD- Fraktion, Rudolf Borchert. Auch für den CDU-Finanzpolitiker Mathias Löttge ist das Engagement des Landes alternativlos. Andernfalls gäbe es keine Möglichkeit, die Finanzierungslücke zu schließen. "Fehlt ein Teil, ist der Rest wertlos", stellte der CDU-Politiker fest. Die Werften müssten als industrieller Kern des Landes erhalten bleiben.

Auch die Linksfraktion unterstützte die neue Millionenhilfe für die Werften. "Die Wirtschaft kann nichts dafür, dass die Banken mauern", sagte die Abgeordnete Birgit Schwebs. Jetzt gehe es zunächst um den Erhalt der Arbeitsplätze. "Wir haben Zeit gekauft", sagte die Linkspolitikerin. Sie erinnerte zugleich daran, dass bereits die rot- rote Landesregierung den Schiffbauer 2003 ermahnt habe, innovativer zu werden, um gegen die Konkurrenz aus Asien bestehen zu können.

Die ebenfalls oppositionelle FDP-Fraktion kritisierte, Bund und Land hätten die Förderung von Produktinnovationen in diesem Bereich in den letzten Jahren weitestgehend vernachlässigt. "Eine Neuausrichtung des Schiffbaus ist überfällig", meinte Fraktionschef Michael Roolf. Die Zukunft der Werften liege im Sonderschiffbau, in Offshore-Technologien und im Unterwasserstahlbau. Dafür müsse das Land unverzüglich einen Innovationsfonds in Höhe von 50 Millionen Euro einrichten.

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