Rentnern drohen zwei Nullrunden

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10. November 2009, 09:37 Uhr

Würzburg/Schwerin | Die 20 Millionen Rentner in Deutschland müssen mit Nullrunden in den kommenden beiden Jahren rechnen. 2010 sei eine ausbleibende Rentenerhöhung wegen krisenbedingt rückläufiger Löhne so gut wie sicher, 2011 sehr wahrscheinlich, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), Alexander Gunkel, gestern in Würzburg. Erst 2012 sei wieder mit einer geringen Rentenerhöhung zu rechnen.

Beim Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Volkssolidarität stieß die Nachricht gestern auf Kritik. "So kurz nach der Wahl werden damit Hoffnungen zerstört, die sich viele Rentner gemacht haben", sagte der Vorsitzende Hartmut Hoffmann unserer Zeitung. "Den Steuerzahlern werden Erleichterungen versprochen, das Kindergeld soll rauf gehen - aber die, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, stehen hinten an." Franz-Josef Kemper vom Seniorenbeirat des Landkreises Ludwigslust bezeichnete die Ankündigung sogar als "Witz". "Überall steigen die Preise", sagte er. Und von Steuererleichterungen profitierten die Renter nun mal nicht.

Wie Alexander Gunkel vom Deutschen Rentenversicherung Bund sagte, hätte es für die Renter rein rechnerisch allerdings noch schlimmer kommen müssen. Nur die noch von der großen Koalition im Sommer beschlossene Rentengarantie habe eine Rentenkürzung um etwa 0,5 Prozent im kommenden Jahr verhindert. Um diesen Wert sinken voraussichtlich die für die Rentenanpassung maßgeblichen Löhne. Gemäß des "Generationenvertrags" sorgen die Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen für die Alterseinkommen der Ruheständler. Sinkt wie jetzt in Krisenzeiten die Lohnsumme, müssten die Renten ebenfalls geringer ausfallen.

Die Rentengarantie verhindert das. Der DRV-Vorsitzende Gunkel, der für die Arbeitgeber an der Spitze der Rentenversicherung steht, bezifferte das finanzielle Volumen der bisher unterlassenen Rentendämpfungen auf sieben bis acht Milliarden Euro. Dazu zählt auch, dass der dämpfende Riesterfaktor zwei Jahre lang ausgesetzt wurde. Er wird 2010 wieder wirksam und kürzt rein rechnerisch Rentenerhöhungen um 0,6 Prozentpunkte. Gunkel lehnte es ab, auf die Verrechnung ausgelassener Rentenabschläge zu verzichten. Dies würde zu einer Anhebung des Renten-Beitragssatzes von derzeit 19,9 auf bis zu 20,7 Prozent führen. Die Beitragszahler würden damit überfordert. Renten-Nullrunden hatte es zuletzt von 2004 bis 2006 gegeben. Anfang Juli hatten die Rentner die höchste Rentensteigerung seit mehr als zehn Jahren erhalten.

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