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19. November 2017 | 08:07 Uhr

Rentenrückstand zum Westen wächst

vom

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2012 | 07:11 Uhr

Berlin Die Renten steigen zum 1. Juli zwar um mehr als zwei Prozent, deutlich stärker als in den Vorjahren - doch die Sozialverbände sind keineswegs zufrieden. Ob die Erhöhung ausreicht, um die Kostensteigerung wettzumachen, ist noch unsicher. Immer mehr Beschäftigte sorgen sich davor, im Rentenalter zum Sozialfall zu werden. Hintergründe von Christoph Slangen und Karin Koslik.

Wie viel erhalten die Durchschnittsrentner mehr?
Die Renten steigen im Westen um 2,18 Prozent, im Osten mit 2,26 Prozent geringfügig stärker. Senioren mit derzeit 1000 Euro Rente werden im Osten also 22,60 Euro mehr erhalten, im Westen 21,80 Euro.
Der Präsident der Volkssolidarität, Prof. Gunnar Winkler kritisiert allerdings, dass insgesamt gesehen der Rentenrückstand Ost trotz der Rentenerhöhung weiter steigt. „Mit der nur geringfügig höheren Rentenanpassung im Osten wird der Rückstand des aktuellen Rentenwerts Ost – 24,37 Euro – zu dem für die alten Länder geltenden Rentenwert – 27,47 Euro– nicht abgebaut. Der Abstand pro Entgeltpunkt von bisher 3,10 Euro steigt auf 3,15 Euro. Das sind 142 Euro weniger Rente brutto monatlich für den Eckrentner Ost nach gegenwärtig 139 Euro monatlich weniger im Vergleich zum Eckrentner West“, so Winkler.

Wie sind die Aussichten für die Rentenerhöhungen der Zukunft?
Die Rentensteigerungen richten sich nach der Entwicklung der Einkommen im Vorjahr. Es ist noch zu früh, eine Prognose für dieses Jahr zu treffen. Allerdings lag der Tarifabschluss für den öffentlichen_Dienst im April relativ hoch und in der Metallindustrie haben die Arbeitgeber gerade ein Drei-Prozent-Angebot vorgelegt. So stehen die Chancen auf eine Rentensteigerung auch im kommenden Jahr gut. In den Jahren von 2004 bis 2006 und im Jahr 2010 hatte es Nullrunden gegeben. Die Renten hätten nach der Rentenformel im Jahr 2010 eigentlich sogar gekürzt werden müssen. Eine Schutzklausel der Bundesregierung verhinderte dies. Die unterbliebenen Kürzungen werden seit dem Jahr 2011 jedoch nachgeholt, indem der aufgelaufene Kürzungsbedarf mit den Rentenerhöhungen verrechnet wird. Dieser Kürzungsbedarf ist im Osten bereits abgetragen, im Westen wird er die Rentenerhöhung im kommenden Jahr noch einmal beschneiden.

Ist die Rentenerhöhung ausreichend, um die Inflation auszugleichen?
Die Inflationsrate lag im Jahr 2011 bei 2,3 Prozent, so dass die Rentner trotzdem leichte Kaufkraftverluste hinnehmen müssen. Allerdings wird im Jahresdurchschnitt mit einer geringeren Teuerungsrate gerechnet. Im März 2012 lag sie bei 2,1 Prozent. Für viel mehr als ein Nullsummenspiel wird die Erhöhung allerdings nicht ausreichen.

Was unternimmt die Regierung gegen Altersarmut?
Derzeit erhalten 400 000 Menschen über 65 Jahren die Grundsicherung im Alter, weil sie keine Rente oder eine zu niedrige erhalten. Das sind 2,4 Prozent aller Rentner. Es wird jedoch damit gerechnet, dass die Zahl in Zukunft zunimmt: Es gehen mehr Menschen in Rente, die geringe Verdienste hatten oder längere Zeit arbeitslos waren. Zudem steigt das Alter für den Rentenbezug schrittweise auf 67 Jahre, wer früher geht, muss Abschläge hinnehmen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Renten von Geringverdienern verdoppeln, auf bis zu 850 Euro. Allerdings soll der Bezug der Zuschussrente an Bedingungen geknüpft werden wie lange Versicherungszeiten und nach einer Startphase auch an frühere Einzahlungen in die Riester-Rente.

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