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25. November 2017 | 10:56 Uhr

Interview : „Reich werden kann man davon nicht“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer Pflegekinder bei sich aufnehmen möchte, braucht Platz, gute Nerven und viel Verständnis

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2016 | 10:25 Uhr

Pflegeeltern müssen hart im Nehmen sein. Nicht nur, dass die Mädchen und Jungen, die ihnen anvertraut werden, traumatisiert und deshalb in ihrem Verhalten gestört sein können. Anders als bei einer Adoption müssen sie auch akzeptieren, dass es nach wie vor die leiblichen Eltern gibt, die – mal mehr, mal weniger – weiter am Leben ihrer Kinder teilhaben wollen. Und: Pflegekinder gehören zwar unter Umständen lange zur Familie, es ist aber nicht gesagt, dass dies immer so bleibt.

Menschen, die dennoch bereit sind, Kindern und Jugendlichen ein Zuhause auf Zeit zu geben, werden in fast allen Landkreisen ständig gesucht. Marianne Steinhäuser vom Fachdienst Jugend des Landkreises Ludwigslust-Parchim erklärt, was von Pflegeeltern erwartet wird.

 

Welche Voraussetzungen müssen potenzielle Pflegeeltern erfüllen?

Steinhäuser: Eigentlich nur wenige. Interessenten müssen das 21. Lebensjahr vollendet haben. Wir erwarten von Ihnen die Vorlage eines erweiterte Führungszeugnisses. Und sie müssen einen Vorbereitungslehrgang besuchen. Ansonsten brauchen sie ausreichenden Wohnraum, sie sollten gesund sein und Verständnis haben für die Kinder und deren Eltern.

Müssen Pflegeeltern selbst Eltern sein?

Nein. Und sie müssen auch nicht verheiratet sein. Wir nehmen Alleinerziehende ebenso gerne wie eingetragene Lebenspartner oder Paare ohne Trauschein.

Wie lange bleibt ein Pflegekind bei seinen Pflegeeltern?

Das ist ganz unterschiedlich. Handelt es sich um eine Bereitschaftspflege, sind es mitunter nur wenige Stunden oder Tage. Es handelt sich hier um Kinder, die in einer akuten Notsituation nicht versorgt werden können. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim haben wir beispielsweise drei solcher Bereitschaftspflegestellen, demnächst werden es sechs sein, die rund um die Uhr vom Fachdienst Jugend belegt werden können.

Das ist für die Pflegeeltern aber ein enormer Aufwand…

…der den Betroffenen aber auch bewusst ist. Wir zwingen niemanden dazu, in die Bereitschaftspflege zu gehen. Schon während der Ausbildung erfragen wir bei potenziellen Pflegeeltern, welche Form für sie in Frage kommt. Die allermeisten entscheiden sich für eine Kurzzeit- oder Dauerpflege.

Was heißt das?

Eine Kurzzeitpflege kann wenige Wochen, aber auch bis zu einem Jahr lang dauern – das hängt immer vom Kind und der Situation in seiner Herkunftsfamilie ab. Und bei der Dauerpflege handelt es sich um viele Jahre, im Idealfall bis zur Volljährigkeit, in denen das Kind zur Familie gehört.

Wohin können sich Pflegeeltern wenden, wenn sie Probleme haben?

Begleitung, Unterstützung und Anleitung erfolgen durch den Pflegekinderdienst des Fachdienstes Jugend. Die Pflegeeltern wissen immer, wen sie ansprechen können. Der Austausch gelingt immer vertrauensvoll.

Wenn es gar nicht mehr geht, kann man ein Pflegekind dann auch wieder abgeben?

Das sollte die Ausnahme sein, quasi der allerletzte Ausweg. Denn im Durchschnitt ist ein Kind nach zwei bis drei Jahren so stark an eine Familie gebunden, dass man es nicht herauslösen möchte. Wir würden deshalb dann eher versuchen, in der Familie zu helfen, mit Hilfen zur Erziehung oder Ähnlichem.

Bekommen Pflegeeltern Aufwandsentschädigung?

Ja, aber reich werden kann man davon, anders als hinter vorgehaltener Hand erzählt wird, nicht. Gegenwärtig werden 237 Euro Aufwandsentschädigung im Monat gezahlt.

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