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Rechts und links der A19 - Reiterland ist zweigeteilt

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erstellt am 08.Feb.2013 | 10:26 Uhr

Schwerin | Carl Friedrich Freiherr von Langen (1887 - 1934), geboren in Klein Belitz bei Bützow und später Rittmeister und Gutsbesitzer zu Parow bei Stralsund (Linie Langen-Parow), ist der erste Olympiasieger des heutigen Mecklenburg-Vorpommern.

In der Nazizeit SA-Sturmbannführer, verstarb von Langen 1934 an den Folgen eines Sturzes beim Military-Wettkampf in Döberitz bei Potsdam in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1936.

1928 in Amsterdam hatte er in der Dressur mit Draufgänger im Einzel und mit der Mannschaft gewonnen. Bis vor Kurzem befand sich am Parower Gutshaus eine entsprechende Gedenktafel. Inzwischen ist sie im Zuge eines Eigentümerwechsels und Hausumbaus abgenommen.

Im Juli 1929 fand in Stralsund - damals Provinz Pommern und zu Preußen gehörend - ein groß angelegtes Turnier statt, dessen Schirmherr der Freiherr war.

Heutzutage ist die Region Vorpommern - was größere Turniere und Reiterhöfe betrifft - dünn besiedelt. Reiterland ist zweigeteilt - die Grenze lässt sich entlang der A19 ziehen. Auch wenn sich die Anzahl von rund 100 Reitturnieren in Meckpomm gegenüber dem Vorjahr nicht verändert hat, tat sich bei den Top-Events eine Menge. So finden mit dem Redefiner Pferdefestival sowie Wettkämpfen auf dem "Alten Landsitz"in Sommerstorf bei Waren und der Anlage Holger Wulschners in Groß Viegeln vor den Toren Rostocks erstmals gleich drei CSI (Concours de saut international) statt. Und der Poeler Springreiter André Plath geht mit der Idee schwanger, in der Messehalle Rostock am 1. Advent-Wochenende ebenfalls ein internationales Turnier auf die Beine zu stellen. "Wenn nicht in diesem Jahr, dann im nächsten", so der Mann aus Timmendorf. Nach dem Motto: Was Christian Strahlmann mit der nunmehr bereits dritten Auflage in Schwerin gepackt hat, schaffe ich auch…

Und auch sonst ist der westliche Teil Mecklenburgs sehr gut bestückt in Sachen Springsport. So baut Heiko Schmidt in Neu Benthen (bei Lübz) sein Hallen-Derby im März weiter aus, plant der österreichische Besitzer des Schlosses Wendorf, Udo Marcel Chistee, für November erstmals ein Hallenturnier. Andere Stationen wie das MAZ-Turnier in Mühlengeez oder das Hallenspektakel samt Mauerspringen in Gadebusch haben bereits eine längere Tradition.

Ja, selbst die MV-Landesmeisterschaften finden seit Jahren nur noch in Westmecklenburg statt - in der Halle in Redefin und für die grüne Saison in Sukow bei Schwerin.

"Vorpommern ist dünn besiedelt, da fehlt es an Sponsoren. Zudem kommen in Westmecklenburg auch Geldgeber aus Niedersachsen oder Holstein, sind Reiter von dort seit Jahren Stammgäste bei den Turnieren hier. Der Weg gen Ost an die polnische Grenze ist vielen aus den anderen Bundesländern zu weit", betont Hans-Joachim Be gall, Geschäftsführer des Landesreitverbandes. Und Christoph Seite, Marketingchef der Lübzer Brauerei, die seit der Wende der Sportsponsor im Land und nicht zuletzt im Pferdesport ist, meint zu der Thematik: "Das ist aber nicht nur im Sport so. Egal wo man hinsieht, das Gefälle ist da. Es handelt sich um ein Strukturproblem."

Größere Reiterhöfe östlich der A19 gibt es denn auch nur in Weitenhagen, Polzow und Rothenburg. Von Letzterem stammt übrigens der 2009er Derby-Sieger Thomas Kleis, der jetzt in Gadebusch beheimatet ist. Und bei den Turnieren gibt es östlich der A19 auch lediglich sechs, die Prüfungen bis zur schweren Klasse ausgeschrieben haben.

Allerdings macht Begall auch einen Lichtblick aus. "Einige Reiter aus Polen sind mittlerweile westlich der Oder zu Hause - so in Bismarck bei Löcknitz. Und Dressurreiterin Katarzyna Milczarek, die bei den Olympischen Spielen in London startete und Achte mit der Mannschaft wurde, gehört dem Reit- und Fahrverein Krackow (bei Löcknitz - d. Red.) an." Die Nachbarschaft werde auch dadurch befördert, so Begall, dass "die ostdeutschen Verbände seit fünf Jahren mit der polnischen Föderation einen Vertrag vereinbart haben, der unkompliziert Starts auch bei kleineren Turnieren in grenznahen Regionen ermöglicht, ohne groß über die Reiterliche Vereinigung (FN) in Warendorf gehen zu müssen", so Begall.

Es bewegt sich eben auch in Vorpommern was…

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