Putzplan und Gruppenfrühstück

<strong>Gemeinsam statt einsam</strong> - auch bei   alltäglichen Dingen wie Kochen<foto>dpa</foto>
Gemeinsam statt einsam - auch bei alltäglichen Dingen wie Kochendpa

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11. Januar 2013, 07:19 Uhr

Was ist das Wichtigste für eine Wohngemeinschaft? Der ehemalige Bürgermeister von Bremen, Henning Scherf, braucht bei dieser Frage nicht lange nachdenken. "Man muss die richtigen Leute finden", sagt der 74-Jährige. Seit einem Vierteljahrhundert leben er und seine Frau in einer WG in Bremen. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat.

Das Zusammenleben in einer Senioren-WG hat einige Vorteile. Niemand ist einsam, man hilft sich gegenseitig und teilt sich die Kosten. "Man muss aber schon der Typ dafür sein", sagt Ursula Kremer-Preiss vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) in Köln. Dazu gehört eine Portion Offenheit. Wer nur aus praktischen Erwägungen in fortgeschrittenem Alter in eine WG zieht, wird vermutlich Probleme bekommen.

Es geht um gegenseitige Unterstützung, um Sympathie. Die Menschen sollten im Idealfall bis an ihr Lebensende zusammenbleiben und miteinander leben. Dazu gehören gemeinsame Rituale, etwa das Sonntagsfrühstück. In der Gemeinschaft geht es bei vielen Dingen gleichberechtigt zu, Konfliktfähigkeit ist dabei eine wichtige Eigenschaft. Jeder wird einmal zurückstecken müssen.

Eine weitere Besonderheit von Senioren-WGs: Im Laufe des Zusammenlebens nehmen die Kräfte bei den Mitbewohnern ab. Die Wahrscheinlichkeit von Gebrechen steigt, Pflege wird damit auch zum Thema. Jede Wohngemeinschaft sollte für sich entscheiden, wie sie damit umgehen möchte. "Die große Nagelprobe für uns war, als die Ersten sterbenskrank wurden", erzählt Scherf.

Mehrere Jahre lang haben sie die Kranken ohne fremde Hilfe gepflegt. Trotz aller Trauer sei es eine "wunderbare Erfahrung" gewesen. "Es ist das Herzstück einer Wohngemeinschaft, dass so etwas geht."

Bei Brigitta Neumann von der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg geht es gar nicht ohne Hilfe von außen. Sie hat vor drei Jahren mit anderen Angehörigen von demenzerkrankten Menschen eine Wohngemeinschaft in Potsdam gegründet. In der 300 Quadratmeter großen Wohnung ist Platz für acht Menschen mit Demenz, sie leben jeweils in ihren eigenen Zimmern. Rund um die Uhr ist jemand im Haus - die Angehörigen, die Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes und ehrenamtliche Helfer kümmern sich.

Der Vorteil dieses Modells: Die alten Menschen leben in einem normalen Umfeld. Die Angehörigen können sich um sie kümmern und das Leben mitgestalten.

Neumann rät, vorher auf jeden Fall die Finanzierung genau durchzurechnen. Wie hoch sind die Kosten für Wohnung, Lebensmittel, Pflegedienst und was sonst noch anfällt? "Das kann genauso teuer wie ein Pflegeheim werden." Sehr wichtig sei auch die Wahl der richtigen Wohnung. Sie sollte zentral liegen, also in der Nähe von Einkaufsmärkten, Kirchen und Bürgerhäusern. So können die Mitbewohner zum Beispiel mit einkaufen gehen oder ein Konzert besuchen. Unabhängig vom Thema Demenz sollte die Wohnung so groß sein, dass sich jeder zurückziehen kann.

Der ehemalige Bremer Bürgermeister hat sieben Mitbewohner, das Haus besitzt fünf große Etagen. "Jeder kann auch getrennt für sich klarkommen und seine eigenen Wege gehen", sagt Scherf. Die meisten der WG-Bewohner sind um die 70 Jahre alt, aus der Reihe fällt eine 17-jährige Schülerin. "Sie macht nächstes Jahr Abitur und geht dann weg. Wir werden alle trauern."

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