"Putzmunter, kräftig, wohlgenährt"

Das Eisbären-Mädchen wird gefüttert
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Das Eisbären-Mädchen wird gefüttert

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09. Januar 2008, 03:31 Uhr

Das Eisbären-Baby im Nürnberger Tiergarten hat die Trennung von seiner Mutter bislang gut überstanden. Das kleine Bärenmädchen sei "putzmunter, kräftig und wohlgenährt", sagte der stellvertretende Tiergartenchef Helmut Mägdefrau heute nachmittag. Es trinke und schlafe gut. Das vier Wochen alte Jungtier wiegt 1700 Gramm und bekommt alle vier Stunden eine Flasche mit Kunstmilch. Das noch namenlose Baby war am Dienstag aus Sicherheitsgründen von seiner Mutter Vera getrennt worden und soll nun - wie der Berliner Eisbär Knut - mit der Hand aufgezogen werden.

Zwei Tierpfleger kümmern sich abwechselnd um das Tier. Es liegt in einem Bärenbettchen und wird mit einer Infrarotlampe bestrahlt, um die Wärmeversorgung zu sichern. Die Chancen, dass es überlebe, stünden gut, sagte Mägdefrau. "Wir sind optimistisch." Entwickle sich das Baby gut, könnte es Ostern der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Hatte es zunächst geheißen, das Jungtier sei männlich, so handelt es sich nach neuen Erkenntnissen um ein Bärenmädchen. Das habe eine Tierpflegerin mittlerweile mit hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt, sagte Mägdefrau. Einen Namen hat das Kleine noch nicht. Er soll in den nächsten Wochen in einem öffentlichen Wettbewerb gefunden werden - "aber erst, wenn wir wissen, dass es sicher durchkommt", unterstrich Bürgermeister Förther. Mägdefrau sagte: "Erst wenn es drei Monate alt ist und richtig läuft, kann man durchatmen."

Im Nürnberger Tiergarten arbeiten nach Worten von Direktor Dag Encke mehrere Tierpfleger, die bereits vor Jahrzehnten Bären von Hand aufgezogen haben und sofort zur Verfügung standen. Es gebe auch Kontakt zum Berliner Zoo, wo Knut aufgezogen wurde. Die Berliner Erfahrungen würden in die Aufzucht des Nürnberger Babys einfließen. Außerdem soll versucht werden, einen weiteren kleinen Bären nach Nürnberg zu holen, damit das Baby nicht alleine aufwächst.

Encke und Mägdefrau verteidigten erneut ihre Entscheidung, den Eisbären-Nachwuchs zunächst von der Mutter selbst aufziehen zu lassen und nicht einzugreifen. Diese Zeit sei für die Entwicklung des Jungtiers von großer Bedeutung gewesen. Am Dienstag habe sich Vera aber verstört und hektisch gezeigt, deshalb sei man eingeschritten. Nach der Trennung von ihrem Baby sei die Mutter "durch den Wind" gewesen, habe sich mittlerweile aber beruhigt. Zwei Junge des anderen Eisbärenweibchens Vilma waren in der Bruthöhle gestorben und von der Mutter gefressen worden. Das hatte dem Tierpark Kritik eingebracht.

Unterdessen erneuerten Tierschutz-Organisationen ihre Angriffe. Nach Meinung des Deutschen Tierschutzbundes sollten Tiergärten in Deutschland auf die Haltung und Nachzucht von Eisbären verzichten. Selbst große Außengehege seien für die Tiere winzige Gefängnisse, die ihren Bewegungsdrang extrem einschränkten. Deshalb zeigten sie oft Verhaltensstörungen. Der Verband Deutscher Zoodirektoren wies die Vorwürfe zurück. "Auch in der Natur sind Eisbären nicht frei", sagte Geschäftsführer Hubert Lücker in Dresden. Sie hätten auch in freier Wildbahn nicht besonders viel Platz. "Wenn die Haltung vernünftig ist, sind Eisbären für ein Leben im Zoo überhaupt nicht ungeeignet", meinte Lücker.

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