Prozess nach Randale in Bützow begonnen

Den Angeklagten wird schwerer Landfriedensbruch, vier von ihnen zudem der Versuch der gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen.
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Den Angeklagten wird schwerer Landfriedensbruch, vier von ihnen zudem der Versuch der gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen.

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13. Februar 2008, 07:54 Uhr

Güstrow - Im Prozess wegen der Krawalle in Bützow (Kreis Güstrow) haben die Angeklagten am Mittwoch vor dem Amtsgericht Güstrow die ihnen vorgeworfenen Taten zum Teil eingeräumt. Allerdings machten mehrere der sechs Angeklagten Erinnerungslücken als Folge ihres erheblichen Alkoholkonsums geltend.

Handy gegen das Vergessen

Einer sagte aus, er habe erst auf einem per Handy aufgenommenen Video der Krawalle gesehen, dass er beteiligt war. Ein mögliches ausländerfeindliches Motiv der Ausschreitungen, bei denen auch zwei Ausländer angegriffen wurden, kam am ersten Verhandlungstag kaum zur Sprache. Nur einer der Verteidiger, der im Namen seines Mandanten einräumte, dieser habe im Imbiss eines Pakistaners randaliert, stritt ein solches Motiv ab.

Türken verfolgt, Imbiß verwüstet, Polizisten angegriffen

Die sechs Männer sollen in der Nacht zum 25. August 2007 nach einem Stadtfest einen Türken verfolgt und geschlagen, den Imbissladen des Pakistaners verwüstet und Polizeibeamte angegriffen haben. Der Sachschaden wird mit 35 000 Euro beziffert. Die Ermittler ordnen die Angeklagten der rechten Szene zu, gehen aber nicht davon aus, dass die Randale ausländerfeindlich motiviert war, da auch Deutsche attackiert wurden. Ein Verteidiger beantragte, einen medizinischen Sachverständigen hinzuzuziehen, der über die mögliche Schuldunfähigkeit der Angeklagten wegen Trunkenheit befinden soll.

Bundesweites Aufsehen

Den Männern im Alter von 17 bis 24 Jahren wird schwerer Landfriedensbruch, vier von ihnen zudem der Versuch der gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen. Die Ausschreitungen hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der anfangs zögerliche Polizeieinsatz war heftig kritisiert worden.

Fehler bei Einsatzführung
Polizeibeamte sagten im Prozess aus, sie seien bei ihrem Eintreffen von etwa 15 teils vermummten Personen mit Bierflaschen beworfen worden und hätten sich zum Eigenschutz zurückgezogen. Erst eine Stunde später kam Verstärkung mit Schutzausrüstung. Wegen Führungsfehlern bei dem Einsatz wurden die beiden zuständigen Polizeiführer von ihren Aufgaben entbunden.

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