Streit um die Energiewende : Proteste um Tagebau in Welzow-Süd

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Streit um die Energiewende spitzt sich zu: Kohlebefürworter und -gegner liefern sich Schlagabtausch

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11. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Befürworter und Gegner der Braunkohle haben zum Auftakt der zweiten öffentlichen Debatte zur Erweiterung des umstrittenen Lausitzer Braunkohletagebaus Welzow-Süd demonstriert.

Rund 1500 Menschen kamen gestern vor das Cottbuser Messezentrum. Zwei Drittel waren Mitarbeiter von Tagebauen, Kraftwerken und Firmen, die sich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze einsetzten. Zu den Kohlegegnern gehörten Vertreter von Umweltverbänden, der Grünen sowie Bewohner von Orten, die in zehn Jahren dem Kohletagebau weichen sollen. Mit dem Brennstoff will der Energiekonzern Vattenfall das Kraftwerk Schwarze Pumpe langfristig bis 2042 versorgen.

Während der auf vier Tage veranschlagten Debatte in der Messehalle werden Pro und Contra einer weiteren Braunkohleförderung erörtert. Für die Weiterführung des Welzower Tagebaus im Teilfeld II, das zum Teil in Ostsachsen liegt, müssten 810 Menschen umgesiedelt werden.

Das stößt vor allem bei den Bewohnern des Welzower Ortsteils Proschim auf Ablehnung. So waren von dort Landwirte mit Traktoren angerollt. Auf Transparenten forderte die Umweltorganisation Greenpeace „Proschim vor den Baggern retten – Tagebau Welzow-Süd stoppen!“ und „Erneuerbare Energien ausbauen statt Kohle subventionieren!“

Einige Meter von den Gegnern entfernt standen Kohlebefürworter, darunter viele Lehrlinge. Redner forderten unter Beifall dazu auf, angesichts des mit der Energiewende eingeleiteten Ausstiegs aus der Atomkraft langfristig an der Kohle festzuhalten. „Wir stehen hier für die Braunkohle und für den Industriestandort Deutschland“, rief Petra Reinbold-Knape, Landesbezirksleiterin Nordost der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Ulrich Freese sagte: „Ohne das Welzower Teilfeld II würde ab 2028 eine Lücke in der Versorgung mit Energie entstehen, das werden wir nicht zulassen.“

Der Brandenburger Landesverband des BUND bekräftigte seine Ablehnung neuer Tagebaue. Dafür gebe es auch im zweiten Anlauf keine Notwendigkeit, erklärte Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Die Auswirkungen des Tagebaus auf die Klimaschutzziele des Landes seien nicht geprüft worden. Der Braunkohleausstieg müsse bis 2040 erfolgen. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hält die Erweiterung des Braunkohletagebaus Welzow-Süd für überflüssig.

Bei der Landesplanungsbehörde wurden 123 000 Unterschriften zu Einwendungen gegen den Tagebau eingereicht. Dagegen sammelte der Verein Pro Lausitzer Braunkohle 68 000 Unterschriften für den Tagebau.

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