Splitter : „pro Schönfeld“ – eine Visitenkarte

Auch beim Kreiserntefest 2015 dabei.
Auch beim Kreiserntefest 2015 dabei.

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17. März 2016, 14:02 Uhr

Seit 1997 gibt es den Verein pro Schönfeld und bei inzwischen rund 30 Mitgliedern dürfte mindestens einer aus jeder Familie im Dorf dazu gehören, überschlägt Wera Höger. Seit einem Jahr lenkte sie als Vorsitzende die Geschickte des Vereins. In Ermangelung von Feuerwehr und Sportverein wurde er einst aus der Taufe gehoben. „Soll etwas passieren im Dorf, muss einer den Anstoß geben.“ Seither passiert eine ganze Menge, trifft sich Jung und Alt in regelmäßigen Abständen. Da werden die Gesellschaftsspiele und Karten dann rausgeholt, Blechkuchen und Brot in den Backofen geschoben oder auf dem Sportplatz Volleyball und Fußball gespielt. Wobei, inzwischen frönen diesen Hobbys hier zusehends auch Sportfreunde aus den Nachbardörfern. Erntefest, Adventsfeier, Oster- und erstmals im vergangenen Jahr das Oktoberfeuer, Kutschfahrten oder Ausfahrten wie zur Buga bestimmen ebenso das Vereinsleben wie die Arbeitseinsätze auf dem Friedhof und an der Kirche. Vieles ließe sich noch aufzählen – alles Belege dafür, dass die Schönfelder viel Wert auf Gemeinsamkeit gelegen und ihr idyllisches Dörfchen alles andere als verträumt ist. Außer Zweifel steht aber,das Meiste wäre kaum möglich, wenn da nicht Gisela und Udo Becker wären. In ihrem Saal pulsiert das Dorfleben, trifft sich Schönfeld unter anderem auch zur alljährlichen Silvesterfeier. Ausreichend selbstgebackenen Kuchen für die Feste zu haben – „da gibt es bei uns keine Probleme“, betont die Vereinsvorsitzende. Und auch das Silvesterbüfett ist nicht nur immer ausgesprochen üppig, sondern komplett hausgemacht.

Der berühmteste Sohn des Dorfes

Schönfeld hat zwar keine Schule mehr, aber vier Lehrer. „Einer unterrichtet in Karstädt, zwei in Perleberg und eine Lehrerin in Ludwigslust. Damit sorgen wir sogar länderübergreifend für Bildung“, fügt mit einem Augenzwinkern Ortsvorsteherin Angela Schulz an. Und sie berichtet, dass der bekannteste Schönfelder eben auch ein Lehrer war. Franz Giese, 1894 in Premslin geboren, war Volksschullehrer und unterrichtete von 1924 bis zu seiner Pensionierung 1960 in Schönfeld. Die Stadt Perleberg hat ihm eines ihrer Erinnerungsblätter gewidmet, denn er gilt als Sprachforscher des Platt. Aufgewachsen mit der niederdeutschen Sprache, galt seine Liebe vor allem dem Prignitzer Platt. Dazu muss man wissen, zwischen Premslin und Schönfeld verläuft eine Sprachgrenze, wie es im Erinnerungsblatt heißt. In Premslin spricht man Platt mit zwei Doppelvokalen wie Hauhn, Kauh, Preister, in Schönfeld mit einfachem Vokal: Hohn, Koh, Preester. All das erfasste Giese und vieles mehr.

Alle 20 Jahre werden Zwillinge geboren

Von den Einwohnern her betrachtet ist Schönfeld durchaus ein relativ junges Dorf. „Wir haben aktuell 110 Einwohner, davon sind rund 60 noch berufstätig. 25 Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre leben hier und 25 Senioren“, listet Ortsvorsteherin Angela Schulz auf. Es gibt zwei Besonderheiten im Dorf, führt sie schmunzelnd an. In Schönfeld werden in den letzten Jahren vorwiegend, um nicht zu sagen nur Mädchen geboren. Lachend erzählt Angela Schulz, dass man jungen Paaren im Dorf, die sich mit dem Ansinnen tragen, für Familienzuwachs zu sorgen, den Tipp gibt, soll es ein Junge werden, ihn auswärts zu zeugen.

Und auch das ist eine Schönfelder Rarität: Alle 20 Jahre werden hier Zwillinge geboren. 1960, 1980, die letzten 2000. Nun sei alles schon total gespannt, ob sich 2020 wieder Zwillinge einstellen. Ziemlich sicher ist man sich aber, dass es dann bestimmt wieder Mädchen sein werden.

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