Prinz Ernst August kämpft um seine Ehre

Ernst August Prinz von Hannover unterhält sich mit seinem Frankfurter Anwalt Hans Wolfgang Euler.
Ernst August Prinz von Hannover unterhält sich mit seinem Frankfurter Anwalt Hans Wolfgang Euler.

Vor neun Jahren wurde Prinz Ernst August von Hannover für eine Attacke auf einen Discobesitzer zu 445 000 Euro Strafe verurteilt. Aber wie schwer das Opfer dabei verletzt wurde, ist unklar. Jetzt wird das Verfahren neu aufgerollt.

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16. Juni 2009, 07:43 Uhr

Hildesheim (dpa) - Die Meute lauert. Vor dem Landgericht Hildesheim drängeln sich am Montag Journalisten, Fotografen und Kameraleute, sie warten auf die Ankunft von Ernst August Prinz von Hannover.

Stattdessen kommt zuerst ein Doppelgänger des Prinzen, gibt Interviews und sorgt für ein wenig Aufregung. Der echte Adlige betritt das Gericht durch den Gefangeneneingang 15 Minuten vor Sitzungsbeginn. Im dunkelblauen Anzug mit gemustertem Seidentuch in der Brusttasche lässt der Chef des Welfenhauses das enorme Blitzlichtgewitter der Fotografen höflich über sich ergehen.

Womit schlug der Prinz zu?

Für die Wiederaufnahme des Strafverfahrens hatte der 55 Jahre alte Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco lange gekämpft. Es geht um eine Attacke auf den Discobesitzer Josef Brunlehner («Mombasa Joe») vor neun Jahren in Kenia, für die er wegen gefährlicher Körperverletzung zu 445 000 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. Und vor allem geht es um die Frage, womit der Prinz zuschlug, mit der bloßen Hand oder mit einem Schlagring. Und es geht - nicht zuletzt - um die Ehre des Adligen. «Es waren unschöne Zeiten», erinnert sich Ernst August in einer 17-seitigen Erklärung, die er über seinen Anwalt verlesen lässt.

Zwar ist der Chef des ältesten europäischen Adelsgeschlechtes, dessen Beruf vor Gericht mit «Land- und Forstwirt» angegeben wird, zum ersten Mal bei einem Verfahren gegen ihn persönlich anwesend. Außer einem «Ja» auf die Frage nach seiner korrekten Anrede («Ernst August Prinz von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und königlicher Prinz von Großbritannien und Irland») gibt er aber kein einziges Wort zu Protokoll.

Diskussion um Vermögenslage

Richter Andreas Schlüter startet mit einer Auflistung der bisherigen Prozesse gegen Ernst August, um den Verfahrensstand zu erläutern. Und der ist kompliziert, wie er mehrfach erwähnt. Fast eine halbe Stunde lang referiert der Richter. Es geht um Journalisten-Beleidigungen und einen Fußtritt bei den Salzburger Festspielen. Erinnerungen an eine Zeit, in der der Prinz öfter mal mit der Presse aneinandergeriet. Ernst August hört aufmerksam zu.

Nur einmal, als es um sein Einkommen geht, wirkt er richtig amüsiert. 170 000 D-Mark Einnahmen pro Jahr hatte sein früherer Verteidiger in einem Verfahren im Jahr 2001 angegeben - damit ließe sich der Lebensstil des Prinzen mit Luxusautos und Bodyguards wohl kaum finanzieren, meint der Richter mit einem Augenzwinkern. Dann geht es um den «Tagessatz», mit dem eine Geldstrafe bemessen wird - je höher das Einkommen eines Verurteilten ist, desto höher ist auch sein Tagessatz. Eine Summe unter 2500 Euro sei hier doch «ruf- und kreditschädigend» für den Prinzen, sagt der Richter. «Mein Mandant hat in Deutschland gar kein Einkommen», betont dagegen Ernst Augusts Anwalt Hans Wolfgang Euler. Doch viel länger wird die Vermögenslage des Prinzen dann auch nicht diskutiert.

Hat der Discobesitzer seine Verletzungen simuliert?

Auch das Opfer ist da, Discobesitzer Josef Brunlehner. Auf den Tisch im Gerichtssaal hat er Visitenkarten für seine Hotels in Kenia gelegt - Werbespruch «Dont dream your life, but live your dreams». Brunlehner sieht sich inzwischen dem Vorwurf ausgesetzt, seine Verletzungen teilweise nur simuliert zu haben. «Groteske Erfindungen und Lügengeschichten» wirft der Prinz dem Discobesitzer vor. Und auch das Gericht hat inzwischen offenbar Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen des 61-Jährigen, sonst hätte es das Verfahren nicht erneut aufgerollt.

Ob der Prinz, bei der Tat mit einem Hüfttuch bekleidet, tatsächlich nur zwei Ohrfeigen austeilte, müssen nun die Richter klären. Zehn Verhandlungstage sind angesetzt, am morgigen Dienstag geht es weiter. Der Prinz wird dann nicht mehr dabei sein. Er verlässt das Gericht am Montag so wie er gekommen ist - an den Haftzellen vorbei durch den Gefangenenzugang. Dann verschwindet er mit seinen Bodyguards in einem schwarzen Opel Astra.

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