Presseecho auf die GDL-Streikdrohungen

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05. März 2008, 07:46 Uhr

„Westdeutsche Zeitung“ (Düsseldorf)
„Ein Wahnsinn! Das hat es noch nie gegeben. Da wird seit einem Jahr verhandelt, vor vier Wochen eine Einigung erzielt und jetzt wollen die Lokführer der Bahn wieder streiken - diesmal sogar unbefristet. Dabei geht es nur um Macht, denn die GDL will ohne die anderen Gewerkschaften die Oberhoheit in den Führerständen der Züge. Die Bahnfahrer werden das kaum noch verstehen. Die Politik muss sich erneut einschalten, und zwar nicht so dilettantisch wie beim letzten Mal. Der Wahnsinn muss ein Ende haben. Der Bund als Arbeitgeber sollte seine Lokführer zur Räson bringen.“

„Financial Times Deutschland“ (Hamburg)
„Einen schlechteren Zeitpunkt hätte die Lokführergewerkschaft GDL für ihre jüngste Drohung eines unbefristeten Streiks nicht wählen können. Von Montag an wollen die Eisenbahner im Nah-, Fern- und Güterverkehr erneut in den Ausstand treten. Das überschneidet sich mit dem geplanten Streik der Gewerkschaft Verdi, der den öffentlichen Nahverkehr massiv behindern dürfte. Die neue Blockadedrohung der GDL kommt aus dem Nichts. Sie zeigt einmal mehr, dass Abmachungen zwischen der Gewerkschaft und der Deutschen Bahn nicht das Papier wert sind, auf dem s stehen: Ende Januar hatten sich beide Parteien nach einem monatelangen, harten Arbeitskampf auf 11 Prozent mehr Gehalt für die Lokführer und einen eigenständigen Tarifvertrag für die GDL geeinigt. Das ist enorm viel und weit mehr, als die Gewerkschaft anfangs erwarten konnte. Denn der Stil, mit dem die GDL streitet, war von Beginn an amateurhaft. ... Auf Sympathie kann die GDL dabei aber nicht mehr hoffen.“

„Pforzheimer Zeitung“
„Spätestens jetzt dürfte es die meisten Deutschen nicht mehr interessieren, wer diesmal die Verantwortung für den drohenden Arbeitskampf trägt. Monatelang hatten Bahn und Lokführergewerkschaft GDL die Republik mit ihrer nicht endenwollenden Auseinandersetzung in Atem gehalten. Millionen Pendler mussten ausbaden, dass die Verhandlungsführer auch aufgrund persönlicher Eitelkeiten den Konflikt unnötig in die Länge zogen. Angesichts dieser Vorgeschichte ist es eine Frechheit, dass jetzt erneut der Bahnverkehr zum Erliegen kommen soll.“

„Lübecker Nachrichten“
„Dass die GdL aber immer noch nicht zufrieden ist; dass sie mit einer neuen Streikwelle das Maximum ertrotzen, sich nicht in das Tarifgefüge bei der Bahn einordnen will - das ist schlichtweg maßlos. Hier geht es der Gewerkschaft nicht mehr um angemessene Bezahlung für Menschen mit hoher Verantwortung. Es geht GdL-Boss Schell um Macht. Dass er damit auch einen tiefen Keil in die Bahn-Belegschaft treibt, ist ihm entweder egal - oder sogar Absicht.“

„Express“ (Köln)
„Da kloppen Bahn und Lokführergewerkschaft GDL monatelang aufeinander ein, kämpfen mit Haken und Ösen um einen Tarifvertrag. Dann wird mit großem Getöse verkündet, dass sie sich endlich geeinigt haben. Dass unter dem Vertrag nur noch die Unterschriften von GDL- Chef Manfred Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn fehlen. Und jetzt bläst Schell plötzlich wieder zur Attacke. Will ab Montag bei der Bahn alle Räder stillstehen lassen. Mit der Einigung war es offenbar doch nicht so weit her. Mit gesundem Menschenverstand ist das alles nicht mehr zu erfassen. Offenbar geht es gar nicht mehr um die Sache. Zu erklären ist das Ganze nur mit der Starrköpfigkeit und Eitelkeit zweier alter Männer, die nicht dazu in der Lage sind, ihre persönliche Feindschaft zum Wohl der Gesellschaft zurückzustellen. Für die Bahnkunden ist das ganze Theater jedenfalls eine Zumutung.“

„Kieler Nachrichten“
„Scheitern die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst und wird der Dauerkonflikt bei der Bahn nicht gelöst, dann droht ein Stillstand des gesamten öffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Der Volkszorn würde ver.di und GDL gleichermaßen treffen, doch es lohnt ein zweiter Blick auf die Forderungen beider Gewerkschaften. Dass die Lokführer mit einem erneuten Ausstand drohen, obwohl sie nach wochenlangem Streik elf Prozent mehr Lohn ausgehandelt hatten, ist den Bürgern nicht zu vermitteln. Anders verhält es sich dagegen mit den Anliegen der Angestellten im öffentlichen Dienst. Wenn ihre durchaus berechtigten Forderungen in der Bevölkerung auf taube Ohren stoßen, dann können sie sich beim maßlosen Gewerkschaftskollegen Manfred Schell bedanken.“

„Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (Essen)
„Und ewig grüßt der Tarifkonflikt. Einigung ja, Einigung nein, Streik ja, Streik nein, Durchbruch war mal: Ab Montag droht wieder Bahn-Streik, und damit alle ganz dolle einen Schrecken kriegen, wollen die Lokführer unbefristet streiken. Gewerkschafts-Boss Manfred Schell und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn haben sich offensichtlich seit August im Kreise gedreht. Und ewig grüßt der Tarifkonflikt: Die Lokführer-Gewerkschaft will eigene Tarifforderungen stellen dürfen, die Bahn will es aber nur mit einer abgestimmten Forderung der drei Gewerkschaften GDL, Transnet und der Beamtengewerkschaft GDBA im Hause der Bahn AG zu tun haben. Aus der jeweiligen Sicht sind diese Forderungen verständlich, wenn man sie auch nicht teilen muss. Der Konflikt ist so nicht auflösbar. Die Bahn muss fürchten, bei künftigen Auseinandersetzungen in die Klemme von sich aufschaukelnden Tarifforderungen der Einzelgewerkschaften zu geraten. Was im Übrigen ganz Deutschland droht, wenn das Vorbild der kleinen, aber am langen Hebel sitzenden Gewerkschaften Schule macht. Deshalb muss Schell jetzt endlich aufgeben.“

„Westfalen-Blatt“ (Bielefeld)
„Man stelle sich vor, halb Deutschland ist im Streik und die Lokführer der Deutschen Bahn sind nicht dabei. Unmöglich? Keine Angst, es wird nicht dazu kommen. Gewerkschaftsführer Manfred Schell hat gerade rechtzeitig die Notbremse gezogen, um bei den Frühjahrsstreiks dabei zu sein. Nun stehen also nicht nur Straßenbahnen, Flugzeuge und Müllwagen, sondern von Montag an auch die Lokomotiven auf den Bahngleisen. Doch während Verdi zwar nicht für Zeitpunkt und Ausmaß seiner so genannten Warnstreiks, wohl aber für die Lohnforderungen auf Zustimmung in breiten Bevölkerungsschichten bauen kann, verspielen Schell und die GDL allmählich allen Rest an Sympathie.“

„Allgemeine Zeitung“ (Mainz)
„Gewerkschaftschef Manfred Schell will die Republik im Kampf um einen eigenständigen Tarifvertrag erneut in Geiselhaft nehmen. Auf viel Verständnis kann der GDL- Funktionär dabei jedoch nicht mehr hoffen. Denn erstens versteht kaum noch jemand, worum es in diesem Konflikt eigentlich geht. Über kräftige Lohnerhöhungen und eine Senkung der Arbeitszeit sind sich Arbeitgeber und Gewerkschaft schließlich schon vor Wochen einig geworden. Zweitens werden Urlaubern und Feiertagsreisenden die Ferienzeit mächtig vergällt, wenn tatsächlich alle Räder stillstehen. Vom wirtschaftlichen Schaden für das ganze Land und die Bahn ganz abgesehen.“

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