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12. Dezember 2017 | 07:32 Uhr

Präsident auf Bewährung

vom

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2011 | 07:57 Uhr

War’s das? War das der Befreiungsschlag, die Rettung in letzter Minute? Christian Wulff hat sich entschuldigt, sein Bedauern geäußert und Selbstkritik geübt. Ein überfälliger Schritt. Kaum hat die Staatsanwaltschaft erklärt, dass sie wegen der Kreditaffäre und der Urlaubsaufenthalte in Unternehmervillen keinen Grund für Ermittlungen sieht, beendet Wulff sein Schweigen und versucht es mit kontrollierter Offensive. Die lang erwartete Entschuldigung und das Bedauern über seine Fehler als niedersächsischer Ministerpräsident und die Entlassung seines Sprechers sollen die Wogen glätten. Wulff hofft auf die weihnachtliche Ruhe, die ihm etwas Luft verschaffen könnte. Die Kanzlerin steht zu ihm, nicht weil sie von ihrem Kandidaten überzeugt wäre, sondern weil sie im Falle seines Abganges eine Erschütterung ihrer eigenen Macht fürchten muss. Die Opposition hat Beißhemmungen, würde doch nach dem Rücktritt Horst Köhlers mit Wulff in kürzester Zeit der zweite Präsident abtreten. Das Vertrauen in das politische System und die staatliche Ordnung wäre beschädigt. Sollten nicht weitere schwere Vorwürfe gegen Wulff auftauchen, dürfte er diese schwere Krise wohl überstehen, wenn auch schwer beschädigt mit einem Verlust an Glaubwürdigkeit. Wulff bleibt bis auf weiteres ein Präsident auf Bewährung. Schafft er es wie Johannes Rau, der auch eine Affäre im Amt überstanden hatte, sich wieder in die Herzen der Bürgerinnen und Bürger zu reden und Vertrauen zurück zu gewinnen? Wird er weiter von seiner Vergangenheit eingeholt? Bleibt er auf Dauer ein beschädigter Präsident? Auf den Bundespräsidenten wartet jetzt eine Herkulesaufgabe. Er erhält eine zweite Chance, die er seinerzeit Johannes Rau nicht gewähren wollte.

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