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24. November 2017 | 08:26 Uhr

Polizistenmord gibt immer noch Rätsel auf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gebürtige Thüringerin wurde in Heilbronn wohl ein NSU-Opfer / Ein Jahr nach Prozessbeginn noch kein Ende absehbar

von
erstellt am 05.Mai.2014 | 16:51 Uhr

Im April 2007 wird die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erschossen, ihr Kollege überlebt schwer verletzt. Inzwischen scheint klar: Auch diese Tat begingen die NSU-Terroristen. Aber warum?

Der Mordanschlag gilt auch ein Jahr nach Beginn des Münchner NSU-Prozesses als das rätselhafteste Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Die Bundesanwaltschaft schreibt die Tat dem NSU zu und hält Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt für die Schützen. Aber erst vor wenigen Tagen brachte Baden-Württembergs CDU-Chef Thomas Strobl das Dilemma auf den Punkt: „Im Grunde genommen ist mehr nicht aufgeklärt als aufgeklärt.“ Kiesewetter starb am Tatort. Ihr Kollege ist das einzige Opfer, das einen NSU-Mordanschlag überlebte. Im Münchner Prozess gegen Beate Zschäpe und ihre mutmaßlichen Unterstützer ist er einer der Nebenkläger. Mit dem Verlauf des Verfahrens in den ersten zwölf Monaten sei er „durchaus zufrieden“, sagt sein Anwalt Walter Martinek. Restlos aufgeklärt sei der Fall für seinen Mandanten aber nicht. „Er möchte Klarheit darüber, ob der Anschlag ihm galt oder nur aufgrund eines dummen Zufalls von den Tätern angegriffen wurde.“ Und er wolle wissen, „ob es die Täter bewusst auf seine Kollegin Michèle Kiesewetter abgesehen hatten“.

Die Polizei hatte nach dem Heilbronner Anschlag mehrere Sonderkommissionen eingesetzt, ging Dutzenden Spuren nach - ins Drogenmilieu, in den Bereich des organisierten Verbrechens, zu einer Gruppe von Sinti und Roma.Legendär wurde die Fahndung nach dem „Phantom von Heilbronn“. Am Einsatzwagen von Kiesewetter und ihrem Kollegen fanden sich DNA-Spuren, die auch an anderen Tatorten in ganz Deutschland auftauchten. Eine heiße Spur? Später stellte sich heraus: Sie stammten von der Mitarbeiterin eines Unternehmens, das Wattestäbchen herstellte, mit denen die Spurensicherer gearbeitet hatten.

Inzwischen ist der Anschlag auf die beiden Polizisten für die Bundesanwaltschaft aufgeklärt. Als Schützen seien Mundlos und Böhnhardt überführt. Sie hätten Kiesewetter und ihren Kollegen zufällig „als Repräsentanten des demokratischen Rechtsstaates“ ausgewählt, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde.

Keine Erklärung hat die Bundesanwaltschaft bisher dafür, dass der Heilbronner Polizistenmord die einzige Tat ist, bei der die Terroristen ihre „Ceska“-Pistole nicht einsetzten. Die NSU-Täter, so die Bundesanwaltschaft, hätten „bewusst“ immer dieselbe Waffe eingesetzt, um „die hinrichtungsgleiche Ermordung der Opfer auch ohne ausdrückliche Tatbekennung für die Öffentlichkeit eindeutig als eine Mordserie kenntlich zu machen“. Nur eben nicht beim Polizistenmord in Heilbronn.

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